Kapitel III

Modul 3: Elektrische Grundlagen

SkyLicence-Studienleitfaden mit Diagrammen.

Halbleiter und Dioden Halbleiter und Dioden PN-Übergangsstruktur P-Typ (Löcher Majorität) Dotierstoff: Bor (B) Verarmungs- zone (keine Ladungsträger) N-Typ (Elektronen Majorität) Dotierstoff: Phosphor (P) + + + Anode (A) Kathode (K) Durchlassrichtung → Leitung P (+) verbunden mit Batterie + N (−) verbunden mit Batterie − Durchlassspannung V Konventioneller Strom I Verarmungszone verengt sich → Strom fließt leicht Sperrrichtung → Sperrung P (−) verbunden N (+) verbunden Sperrspannung V Verarmungs- zone verbreitert sich Kein Strom Verarmungszone verbreitert sich → blockiert Stromfluss Diodensymbole & Kennzeichnung Standard: K A LED: Zener: Fotodiode: Einweggleichrichter-Schaltung AC-Eingang ~ D1 R_L V_out + V_in V_out Diode leitet nur während der positiven Halbwelle Negative Halbwelle wird blockiert → pulsierender Gleichstromausgang Wichtige EASA Part-66 Fakten • Siliziumdiode Durchlassspannung ≈ 0,7 V • Germaniumdiode Durchlassspannung ≈ 0,3 V • Maximale Sperrspannung: PIV-Wert muss Spitzen-AC überschreiten • Im P-Typ: Löcher bewegen sich mit konventionellem Strom • Gleichrichter wandelt AC in pulsierenden Gleichstrom für Flugzeugbusse um

Modul 3: Elektrische Grundlagen – EASA Part-66 B2

1. Modulübersicht

Modul 3, „Elektrische Grundlagen", bildet den Eckpfeiler des gesamten Wissens über elektrische und elektronische Systeme von Luftfahrzeugen für die EASA-Part-66-B2-Lizenz. Dieses Modul vermittelt die wesentliche theoretische Grundlage, die erforderlich ist, um die komplexen elektrischen Systeme moderner Luftfahrzeuge zu verstehen, Fehler zu beheben und zu warten. Der Lehrplan deckt ein breites Spektrum an Themen ab, das von der grundlegenden Atomtheorie und Gleichstromkreisanalyse bis hin zu Wechselstromtheorie, Halbleiterbauelementen und elektrischen Schutzsystemen reicht.

Das Modul ist so aufgebaut, dass das Wissen progressiv aufgebaut wird, beginnend mit grundlegenden Konzepten und fortschreitend zu komplexeren Anwendungen. Für die Kategorie B2 sind die erforderlichen Wissensstufen überwiegend Stufe 2 (allgemeines Wissen) und Stufe 3 (detaillierte Theorie), was die Tiefe des Verständnisses widerspiegelt, die für freigabeberechtigtes Personal, das an Avionik- und elektrischen Systemen arbeitet, erforderlich ist.

2. Schlüsselkonzepte im Detail erklärt

2.1 Elektronentheorie und elektrische Werkstoffe

Atomstruktur und Ladungsträger

Alle Materie besteht aus Atomen, die Protonen (positive Ladung), Neutronen (neutral) und Elektronen (negative Ladung) enthalten. In metallischen Leitern sind die äußersten Elektronen (Valenzelektronen) lose gebunden und können sich frei bewegen, wodurch ein „Elektronengas" entsteht. Diese freie Elektronenbewegung bildet einen elektrischen Strom, wenn eine Potenzialdifferenz angelegt wird.

Leiter, Isolatoren und Halbleiter

Leiter: Materialien mit niedrigem spezifischem Widerstand, typischerweise Metalle. Kupfer (spezifischer Widerstand ≈ 1,72 × 10⁻⁸ Ω·m) und Aluminium (≈ 2,82 × 10⁻⁸ Ω·m) sind die primären Leiter, die in der Flugzeugverkabelung verwendet werden. Silber hat den niedrigsten spezifischen Widerstand, wird jedoch aufgrund von Kosten- und Gewichtserwägungen selten verwendet.
Isolatoren: Materialien mit sehr hohem spezifischem Widerstand, die den Stromfluss verhindern. Für Hochtemperaturanwendungen in Luftfahrzeugen wird PTFE (Polytetrafluorethylen) aufgrund seiner hervorragenden thermischen Stabilität (Betriebsbereich bis 260 °C) und seiner überlegenen dielektrischen Eigenschaften bevorzugt. PVC (bis 105 °C), Gummi und Polyethylen haben niedrigere Temperaturklassen und sind für Triebwerksbereiche oder Bereiche mit hoher Wärmeentwicklung ungeeignet.
Halbleiter: Materialien mit einem spezifischen Widerstand zwischen dem von Leitern und Isolatoren. Silizium und Germanium sind die gebräuchlichsten. Ihre Leitfähigkeit kann durch Dotierung – die kontrollierte Zugabe von Fremdatomen – verändert werden.

Halbleiterdotierung

N-Typ-Material: Wird durch Dotieren von Silizium mit pentavalenten Atomen (z. B. Phosphor, Arsen) erzeugt. Diese Verunreinigungen haben fünf Valenzelektronen, wodurch pro Dotierstoffatom ein freies Elektron verbleibt. Die Majoritätsträger sind Elektronen.
P-Typ-Material: Wird durch Dotieren mit trivalenten Atomen (z. B. Bor, Aluminium) erzeugt. Diese Verunreinigungen haben drei Valenzelektronen, wodurch „Löcher" (Fehlen von Elektronen) entstehen. Die Majoritätsträger sind Löcher.

Wichtig: In P-Typ-Material bewegen sich Löcher in die gleiche Richtung wie der konventionelle Strom. Dies liegt daran, dass der konventionelle Strom als Fluss positiver Ladung definiert ist und Löcher positive Ladungsträger sind.

Grundlegende elektrische Schaltungen Grundlegende elektrische Schaltungen Reihen- und Parallelvergleich — EASA Teil-66 Modul 3 REIHENSCHALTUNG VS 12V R1 100Ω R2 150Ω R3 50Ω I = 40mA Wichtige Formeln (Reihe): R_gesamt = R1 + R2 + R3 = 100 + 150 + 50 = 300Ω I = V / R_gesamt = 12 / 300 = 0,04A (40mA) V_R1 = I × R1 = 0,04 × 100 = 4V V_R2 = I × R2 = 0,04 × 150 = 6V V_R3 = I × R3 = 0,04 × 50 = 2V PARALLELSCHALTUNG VS 12V R1 100Ω R2 150Ω R3 50Ω I1=120mA I2=80mA I3=240mA I_gesamt=440mA Wichtige Formeln (Parallel): 1/R_gesamt = 1/R1 + 1/R2 + 1/R3 = 1/100 + 1/150 + 1/50 R_gesamt = 27,27Ω I1 = V/R1 = 12/100 = 0,12A I2 = V/R2 = 12/150 = 0,08A I3 = V/R3 = 12/50 = 0,24A Ohmsches Gesetz: V = I × R Leistung: P = V × I = I²R = V²/R

2.2 Gleichstromkreis-Theorie

Ohmsches Gesetz und Leistung

Das Ohmsche Gesetz besagt, dass der Strom (I) durch einen Leiter zwischen zwei Punkten direkt proportional zur Spannung (V) über den beiden Punkten und umgekehrt proportional zum Widerstand (R) ist:

V = I × R

Wobei:

V in Volt (V) gemessen wird
I in Ampere (A) gemessen wird
R in Ohm (Ω) gemessen wirdElektrische Leistung (P) wird in Watt (W) gemessen und ist definiert als ein Joule pro Sekunde:

P = V × I = I² × R = V² / R

Widerstände und Farbcodierung

Widerstände werden durch ein Farbcodesystem gekennzeichnet. Der Standardcode verwendet vier oder fünf Ringe:

Erster Ring: erste Ziffer
Zweiter Ring: zweite Ziffer
Dritter Ring: Multiplikator (Zehnerpotenz)
Vierter Ring: Toleranz (Gold = ±5 %, Silber = ±10 %, kein Ring = ±20 %)

Farbwerte: Schwarz = 0, Braun = 1, Rot = 2, Orange = 3, Gelb = 4, Grün = 5, Blau = 6, Violett = 7, Grau = 8, Weiß = 9.

Beispiele:

Braun, Schwarz, Rot, Gold = 10 × 100 = 1000 Ω ± 5 % (1 kΩ)
Rot, Violett, Orange, Gold = 27 × 1000 = 27.000 Ω ± 5 % (27 kΩ)

Reihen- und Parallelschaltung von Widerständen

Reihenschaltung: R_gesamt = R₁ + R₂ + R₃ + ...
Parallelschaltung: 1/R_gesamt = 1/R₁ + 1/R₂ + 1/R₃ + ...

Für zwei parallel geschaltete Widerstände lautet die vereinfachte Formel: R_gesamt = (R₁ × R₂) / (R₁ + R₂)

Innenwiderstand und Klemmenspannung

Reale Spannungsquellen (Batterien, Generatoren) besitzen einen Innenwiderstand (r). Wenn Strom fließt, entsteht ein Spannungsabfall über diesem Innenwiderstand:

V_Klemme = EMK - (I × r)

Wobei EMK die elektromotorische Kraft (Leerlaufspannung) ist.

Beispiel: Eine 24-V-Batterie mit einem Innenwiderstand von 0,5 Ω, angeschlossen an einen 5,5-Ω-Verbraucher:

Gesamtwiderstand = 0,5 + 5,5 = 6,0 Ω
Strom = 24 / 6,0 = 4 A
Klemmenspannung = 24 - (4 × 0,5) = 22 V

Ein höherer Innenwiderstand verursacht unter Last einen größeren Spannungsabfall und verringert die Klemmenspannung.

Ideale Spannungsquelle: Eine ideale Spannungsquelle hält die Klemmenspannung unabhängig vom Laststrom konstant, was einen Innenwiderstand von null erfordert.

2.3 Kapazität und Kondensatoren

Grundprinzipien

Ein Kondensator speichert elektrische Energie in einem elektrostatischen Feld. Die Kapazität (C) wird in Farad (F) gemessen, wobei 1 F = 1 Coulomb pro Volt entspricht. In Luftfahrtanwendungen werden typischerweise Mikrofarad (µF = 10⁻⁶ F) und Pikofarad (pF = 10⁻¹² F) verwendet.

Ladungsspeicherung: Q = C × V (Ladung in Coulomb)

Reihen- und Parallelschaltung von Kondensatoren

Reihenschaltung: 1/C_gesamt = 1/C₁ + 1/C₂ + ... (die Gesamtkapazität ist immer kleiner als die kleinste Einzelkapazität)
Parallelschaltung: C_gesamt = C₁ + C₂ + ... (die Gesamtkapazität ist die Summe der Einzelkapazitäten)

Ladungsverteilung (Ladungserhaltung)

Wenn ein geladener Kondensator mit einem ungeladenen Kondensator verbunden wird, bleibt die Ladung erhalten:

Q_anfangs = Q_ende

Beispiel: Ein auf 200 V geladener 10-µF-Kondensator wird parallel zu einem ungeladenen 30-µF-Kondensator geschaltet:

Anfangsladung: Q = 10 µF × 200 V = 2000 µC
Gesamtkapazität: C_gesamt = 10 + 30 = 40 µF
Endspannung: V = Q / C_gesamt = 2000 / 40 = 50 V

Kapazitiver Blindwiderstand

In Wechselstromkreisen setzt ein Kondensator dem Stromfluss einen Widerstand entgegen, der als kapazitiver Blindwiderstand bezeichnet wird:

X_C = 1 / (2πfC)

Wobei:

X_C in Ohm (Ω) angegeben wird
f die Frequenz in Hertz (Hz) ist
C die Kapazität in Farad (F) ist

Beispiel: 20-µF-Kondensator an einer 100-V-, 50-Hz-Versorgung:

X_C = 1 / (2π × 50 × 20 × 10⁻⁶) = 159,15 Ω

Phasenbeziehung: In einem rein kapazitiven Stromkreis eilt der Strom der Spannung um 90° voraus. Dies geschieht, weil der Kondensator lädt und entlädt, wodurch Strom fließen kann, bevor sich die Spannung an den Platten aufbaut.

2.4 Induktivität und Spulen

Grundprinzipien

Eine Spule speichert Energie in einem magnetischen Feld. Die Induktivität (L) wird in Henry (H) gemessen. Wenn sich der Strom durch eine Spule ändert, wird eine Gegenspannung induziert, die der Änderung entgegenwirkt (Lenz'sches Gesetz).

Induktiver Blindwiderstand

X_L = 2πfLInduktiver Blindwiderstand ist direkt proportional zur Frequenz. Mit zunehmender Frequenz steigt der induktive Blindwiderstand.

Beispiel: 50-mH-Induktivität an 200 V, 400-Hz-Versorgung:

X_L = 2π × 400 × 0,05 = 125,66 Ω

Phasenbeziehung: In einem rein induktiven Stromkreis eilt der Strom der Spannung um 90° nach.

Zeitkonstante (RL-Schaltung)

Die Zeitkonstante (τ) gibt die Zeit an, die der Strom benötigt, um etwa 63,2 % seines Endwerts zu erreichen:

τ = L / R

Wobei:

τ in Sekunden (s)
L in Henry (H)
R in Ohm (Ω)

Beispiel: R = 50 Ω, L = 0,5 H:

τ = 0,5 / 50 = 0,01 s (10 ms)

Leistung in rein induktiven Stromkreisen: Der Phasenwinkel beträgt 90°, daher ist der Leistungsfaktor (cos φ) null. Die Wirkleistung P = V × I × cos φ = 0. Die gesamte Energie wird abwechselnd im Magnetfeld gespeichert und an die Quelle zurückgegeben – es wird keine echte Leistung verbraucht.

2.5 Wechselstromtheorie

Sinusförmige Wellenformen

Wechselspannung und Wechselstrom variieren sinusförmig mit der Zeit. Wichtige Parameter:

Spitzenwert (V_peak): Maximaler Momentanwert
Effektivwert (V_RMS): Der äquivalente Gleichstromwert, der denselben Wärmeeffekt erzeugt
Mittelwert: Mittelwert der Momentanwerte über ein bestimmtes Intervall

Effektivwert-Spitzenwert-Beziehungen (für sinusförmige Wellenformen):

V_peak = V_RMS × √2 ≈ V_RMS × 1,414
V_RMS = V_peak / √2 ≈ V_peak × 0,707

Beispiel: Effektivwert von 115 V:

V_peak = 115 × 1,414 = 162,6 V

Mittelwert: Der Mittelwert einer symmetrischen Sinuswelle über eine vollständige Periode ist null, da sich die positiven und negativen Halbwellen aufheben. Über eine Halbwelle beträgt der Mittelwert 0,637 × Spitzenwert.

Phasenbeziehungen in Wechselstromkreisen

Rein ohmsch: Spannung und Strom sind in Phase (0° Phasendifferenz)
Rein induktiv: Der Strom eilt der Spannung um 90° nach
Rein kapazitiv: Der Strom eilt der Spannung um 90° voraus

Impedanz in Reihen-RLC-Schaltungen

Die Impedanz (Z) ist der Gesamtwiderstand gegen den Strom in einem Wechselstromkreis:

Z = √(R² + (X_L - X_C)²)

Beispiel: R = 30 Ω, X_L = 50 Ω, X_C = 20 Ω:

Z = √(30² + (50 - 20)²) = √(900 + 900) = √1800 = 42,43 Ω

Resonanz in RLC-Schaltungen

Resonanz tritt auf, wenn X_L = X_C. Die Resonanzfrequenz beträgt:

f = 1 / (2π√(LC))

Bei Resonanz:

Die Impedanz ist rein ohmsch und minimal (Z = R)
Der Strom ist maximal
Der Stromkreis ist in Phase (Leistungsfaktor = 1)

Wechselstromleistung

Scheinleistung (S): Gemessen in Voltampere (VA), S = V × I
Wirkleistung (P): Gemessen in Watt (W), P = V × I × cos φ
Blindleistung (Q): Gemessen in Var (VAR), Q = V × I × sin φ
Leistungsfaktor (PF): PF = cos φ = Wirkleistung / Scheinleistung

Beispiel: Scheinleistung = 5 kVA, PF = 0,8 nacheilend:

Wirkleistung = 5 kVA × 0,8 = 4 kW

2.6 Transformatoren

Funktionsprinzip

Ein Transformator überträgt elektrische Energie zwischen Stromkreisen durch elektromagnetische Induktion. Er besteht aus einer Primärwicklung und einer Sekundärwicklung auf einem gemeinsamen Magnetkern. Transformatoren arbeiten nur mit Wechselstrom, da sie auf einen sich ändernden magnetischen Fluss angewiesen sind, um Spannung zu induzieren. Bei Gleichstrom wird ein konstantes Magnetfeld erzeugt, und in der Sekundärwicklung wird keine Spannung induziert (nach dem anfänglichen Einschwingvorgang).

Windungsverhältnis

V_s / V_p = N_s / N_p

Wobei:

V_s = Sekundärspannung
V_p = Primärspannung
N_s = Sekundärwindungen
N_p = Primärwindungen

Beispiele:

Windungsverhältnis 1:5 (Primär:Sekundär), Primär = 28 V Wechselstrom: V_s = 28 × 5 = 140 V
Windungsverhältnis 5:1 (Primär:Sekundär), Primär = 115 V Wechselstrom: V_s = 115 × (1/5) = 23 VFunktionen in Luftfahrzeugen: Transformatoren erhöhen oder verringern Wechselspannungen für verschiedene Flugzeugsysteme, sorgen für galvanische Trennung und passen Impedanzen an.

2.7 Dreiphasensysteme

Grundkonfiguration

Dreiphasensysteme bestehen aus drei Wechselspannungen, die elektrisch um 120° versetzt sind. Diese Konfiguration ermöglicht eine effizientere Energieübertragung und einen gleichmäßigeren Betrieb von Motoren.

Sternschaltung (Y-Schaltung)

Außenleiterspannung (V_L) = √3 × Strangspannung (V_ph)
Außenleiterstrom (I_L) = Strangstrom (I_ph)

Beispiel: Außenleiterspannung = 200 V:

V_ph = 200 / √3 = 200 / 1,732 = 115,47 V

Dreieckschaltung (Delta-Schaltung)

Außenleiterspannung (V_L) = Strangspannung (V_ph)
Außenleiterstrom (I_L) = √3 × Strangstrom (I_ph)

Leistungsmessung (Zwei-Wattmeter-Verfahren)

Für eine symmetrische Dreiphasenlast:

Gesamtleistung: P_gesamt = P₁ + P₂
Leistungsfaktor: tan φ = √3 × (P₁ - P₂) / (P₁ + P₂)

Beispiel: P₁ = 4000 W, P₂ = 1500 W:

P_gesamt = 5500 W

tan φ = √3 × (4000 - 1500) / 5500 = 0,787

φ = 38,2°, cos φ = 0,786

Frequenz des Wechselstromgenerators

Die Frequenz der Generatorausgangsspannung hängt von der Polzahl und der Drehzahl ab:

f = (P × N) / 120

Wobei:

f = Frequenz in Hz
P = Anzahl der Pole
N = Drehzahl in U/min

Beispiel: 4-poliger Generator, 400-Hz-Ausgang:

N = (120 × 400) / 4 = 12.000 U/min

2.8 Halbleiterbauelemente

PN-Übergangsdiode

Eine Diode ist ein Bauelement mit zwei Anschlüssen, das Strom in Durchlassrichtung leitet und in Sperrrichtung blockiert. Dieses unidirektionale Verhalten macht Dioden für die Gleichrichtung unverzichtbar.

Zener-Diode

Eine Zener-Diode ist speziell für den Betrieb im Durchbruchbereich in Sperrrichtung ausgelegt. In diesem Bereich bleibt die Spannung über der Diode über einen Bereich von Strömen nahezu konstant. Diese Eigenschaft macht Zener-Dioden ideal für:

Spannungsregelung
Referenzspannungselemente in Netzteilen
Überspannungsschutz

Bipolartransistor (BJT)

Ein BJT hat drei Anschlüsse: Emitter, Basis und Kollektor. Er ist in zwei Typen erhältlich: NPN und PNP.

Arbeitsbereiche:

Aktiver (linearer) Bereich: Basis-Emitter-Übergang in Durchlassrichtung, Basis-Kollektor-Übergang in Sperrrichtung vorgespannt. Der Transistor arbeitet als Verstärker.
Sättigungsbereich: Beide Übergänge in Durchlassrichtung vorgespannt. Der Transistor wirkt als geschlossener Schalter.
Sperrbereich: Beide Übergänge in Sperrrichtung vorgespannt. Der Transistor wirkt als offener Schalter.

Varistor (spannungsabhängiger Widerstand)

Ein Varistor hat einen Widerstand, der deutlich abnimmt, wenn die Spannung über ihm einen Schwellenwert überschreitet. Er wird verwendet, um transiente Überspannungen zu begrenzen und empfindliche elektronische Geräte vor Spannungsspitzen zu schützen.

2.9 Gleichstrommotoren

Wirkungsprinzip

Ein Gleichstrommotor wandelt elektrische Energie in mechanische Energie um. Die Wechselwirkung zwischen dem Magnetfeld und den stromdurchflossenen Ankerleitern erzeugt ein Drehmoment.

Gegenelektromotorische Kraft (Gegen-EMK)

Wenn sich der Anker dreht, erzeugt er eine Gegen-EMK (E_b), die der angelegten Spannung entgegenwirkt:

V = E_b + (I × R_a)

Wobei:

V = angelegte Spannung
E_b = Gegen-EMK
I = Ankerstrom
R_a = Ankerwiderstand

Beispiel: V = 28 V, I = 4 A, R_a = 2 Ω:

E_b = 28 - (4 × 2) = 20 V

Funktion des Kommutators

Der Kommutator kehrt die Stromrichtung in den Ankerwicklungen um, während sich der Rotor dreht. Dadurch bleibt das Drehmoment in derselben Richtung, was eine kontinuierliche Drehung ermöglicht.

2.10 Elektrischer Schutz und Sicherheit**Schutzschalter**

Ein Schutzschalter ist eine Schutzeinrichtung, die dazu dient, den Stromkreis automatisch zu unterbrechen, wenn der Strom einen vorgegebenen Wert überschreitet. Dies verhindert Schäden an Verkabelung und Komponenten. Grundlegende Prinzipien:

Die Nennleistung des Schutzschalters sollte niedriger sein als die sichere Strombelastbarkeit des Kabels
Dadurch wird sichergestellt, dass der Schutzschalter auslöst, bevor das Kabel seinen maximalen sicheren Strom erreicht

Beispiel: Ein 5-A-Schutzschalter schützt ein 10-A-Kabel – wenn ein Fehler einen Strom von 15 A verursacht, löst der Schutzschalter aus und schützt das Kabel.

Bonding-Bänder

Bonding-Bänder gewährleisten die elektrische Kontinuität zwischen metallischen Teilen und bieten:

Einen niederohmigen Pfad für Fehlerströme
Verhinderung gefährlicher Spannungsdifferenzen zwischen Komponenten
Blitzschutz
Reduzierung elektromagnetischer Störungen (EMI)

Spannungsregler

Ein Spannungsregler stellt sicher, dass die Ausgangsspannung eines Generators oder Wechselstromgenerators bei wechselnden Last- und Drehzahlbedingungen stabil bleibt. Dies ist entscheidend für den Schutz empfindlicher Avionik-Ausrüstung.

Gleichrichtung

Einweggleichrichter: Nutzt eine Hälfte des Wechselstromzyklus. Die Welligkeitsfrequenz des Ausgangs entspricht der Eingangsfrequenz.
Zweiweggleichrichter: Nutzt beide Hälften des Wechselstromzyklus. Die Welligkeitsfrequenz des Ausgangs ist doppelt so hoch wie die Eingangsfrequenz.

3. Wichtige Formeln und Beziehungen

GrößeFormelEinheiten
Ohmsches GesetzV = I × RV, A, Ω
Leistung (DC)P = V × I = I²R = V²/RW
ReihenwiderstandR_gesamt = R₁ + R₂ + R₃Ω
Parallelwiderstand1/R_gesamt = 1/R₁ + 1/R₂ + 1/R₃Ω
KapazitätsladungQ = C × VC, F, V
Reihenkapazität1/C_gesamt = 1/C₁ + 1/C₂F
ParallelkapazitätC_gesamt = C₁ + C₂F
Kapazitiver BlindwiderstandX_C = 1/(2πfC)Ω
Induktiver BlindwiderstandX_L = 2πfLΩ
RL-Zeitkonstanteτ = L/Rs
RLC-ImpedanzZ = √(R² + (X_L - X_C)²)Ω
Resonanzfrequenzf = 1/(2π√(LC))Hz
RMS zu SpitzenwertV_Spitze = V_RMS × √2V
TransformatorverhältnisV_s/V_p = N_s/N_pV, Windungen
SternschaltungV_L = √3 × V_phV
Generatorfrequenzf = (P × N)/120Hz, Pole, U/min
Motor-Gegen-EMKE_b = V - (I × R_a)V
WechselstromleistungP = V × I × cos φW
LeistungsfaktorPF = cos φ = P/Sdimensionslos

4. Allgemeine Beziehungen zwischen Konzepten

Widerstand vs. Blindwiderstand vs. Impedanz

Widerstand (R) wirkt dem Strom in Gleich- und Wechselstromkreisen entgegen
Blindwiderstand (X) wirkt dem Strom nur in Wechselstromkreisen entgegen
Impedanz (Z) ist die vektorielle Kombination aus Widerstand und Blindwiderstand
In rein ohmschen Stromkreisen gilt Z = R; in reaktiven Stromkreisen gilt Z > R

Frequenzeffekte

Der induktive Blindwiderstand steigt mit der Frequenz (X_L ∝ f)
Der kapazitive Blindwiderstand sinkt mit der Frequenz (X_C ∝ 1/f)
Bei Resonanz gilt X_L = X_C und der Stromkreis verhält sich rein ohmsch

Phasenbeziehungen

Ohmsche Stromkreise: Spannung und Strom in Phase (0°)
Induktive Stromkreise: Der Strom eilt der Spannung nach (90°)
Kapazitive Stromkreise: Der Strom eilt der Spannung voraus (90°)
Der Leistungsfaktor ist der Kosinus des Phasenwinkels zwischen Spannung und Strom

Ladungserhaltung

In Kondensatorschaltungen bleibt die Ladung immer erhalten
Wenn geladene Kondensatoren miteinander verbunden werden, verteilt sich die Gesamtladung entsprechend der neuen Gesamtkapazität neu

Transformatorbeziehungen

Transformatoren arbeiten nur mit Wechselstrom (sich ändernder magnetischer Fluss)
Das Spannungsverhältnis entspricht dem Windungsverhältnis
Bei einem idealen Transformator gilt: Eingangsleistung = Ausgangsleistung (V_p × I_p = V_s × I_s)Dreiphasen-Beziehungen
Sternschaltung: V_L = √3 × V_ph, I_L = I_ph
Dreieckschaltung: V_L = V_ph, I_L = √3 × I_ph
Die Phasenspannungen sind um 120° versetzt

5. Typische Prüfungsschwerpunkte

Basierend auf dem EASA Part-66 Modul 3 B2 Lehrplan und typischen Prüfungsmustern sollten sich Kandidaten auf Folgendes konzentrieren:

Level-2-Themen (Allgemeinwissen)

SI-Einheiten für alle elektrischen Größen (Ohm, Volt, Ampere, Watt, Henry, Farad, Tesla, Weber)
Widerstands-Farbkodierung (Vierring-System)
Leiter-, Isolator- und Halbleitermaterialien sowie deren Anwendungen
Funktionsweise von Leistungsschaltern und Schutzprinzipien
Zweck und Anwendung von Bonding-Bändern
Kennlinien von Dioden und Zenerdioden
Phasenbeziehungen in Wechselstromkreisen
Grundlagen von Dreiphasensystemen (120°-Phasenverschiebung, Stern-/Dreieck-Beziehungen)

Level-3-Themen (Detaillierte Theorie)

Berechnungen zum Ohmschen Gesetz und Leistungsberechnungen
Berechnungen von Reihen- und Parallelwiderständen/-kapazitäten
Probleme zur Ladungsverteilung bei Kondensatoren (Ladungserhaltung)
Berechnungen der RL-Zeitkonstanten
Berechnungen der RLC-Impedanz
Berechnungen der Resonanzfrequenz
Berechnungen des Transformator-Übersetzungsverhältnisses
Berechnungen von Frequenz/Drehzahl/Polzahl bei Wechselstromgeneratoren
Berechnungen der Gegen-EMK bei Motoren
Berechnungen von Batterie-Innenwiderstand und Klemmenspannung
Berechnungen der Wechselstromleistung (Wirkleistung, Scheinleistung, Leistungsfaktor)
Umrechnungen von Effektiv-/Spitzenwerten
Berechnungen der Reaktanz (X_L und X_C)
Zweiwattmeter-Methode für Dreiphasenleistung

Häufige Prüfungsfehler

Verwechslung der Formeln für Reihen- und Parallelschaltung von Widerständen und Kondensatoren (sie sind gegensätzlich)
Vergessen, dass der Mittelwert einer vollständigen Sinuswellenperiode null ist
Anwendung von Transformatorprinzipien auf Gleichstromkreise (Transformatoren funktionieren nicht mit Gleichstrom)
Verwechslung von Leiter- und Stranggrößen in Dreiphasensystemen
Falsche Anwendung der Leistungsfaktorformel
Verwechslung der Richtung von Strom-Voreilung/Nacheilung bei induktiven vs. kapazitiven Schaltungen
Vergessen, dass sich Löcher in P-Material in die gleiche Richtung wie der konventionelle Strom bewegen

Praktische Anwendungen

Verstehen, warum Leistungsschalter unterhalb der Kabelbelastbarkeit ausgelegt sind
Erkennen der Bedeutung von Bonding für den Blitzschutz
Verstehen der Verwendung von Zenerdioden zur Spannungsregelung
Wissen, welche Isoliermaterialien für Hochtemperaturbereiche in Flugzeugen geeignet sind
Verstehen der Funktion des Kommutators bei Gleichstrommotoren
Erkennen der Beziehung zwischen Generatorpolen, Drehzahl und Ausgangsfrequenz

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