Modul 10: Luftfahrtgesetzgebung — EASA Part-66 Kategorie B3
1. Überblick über Modul 10
Modul 10 des EASA Part-66 Grundlagen-Lehrplans bildet die regulatorische Grundlage für freigabeberechtigtes Luftfahrtpersonal in der Instandhaltung. Es behandelt den rechtlichen Rahmen für die Zivilluftfahrt in der Europäischen Union, mit besonderem Schwerpunkt auf den Vorschriften, die direkt die Freigabe, Durchführung und Freigabe von Instandhaltungsarbeiten regeln.
Für die Kategorie B3 (leichte Hubschrauber und kleine nicht-komplexe Flugzeuge mit einer maximalen Startmasse von nicht mehr als 2.725 kg) stellt dieses Modul sicher, dass freigabeberechtigtes Personal Folgendes versteht:
Die Struktur der EU-Luftfahrtvorschriften und die Hierarchie der Rechtsdokumente
Die spezifischen Anforderungen von Part-66 (Lizenzierung von Instandhaltungspersonal)
Die Anforderungen von Part-145 (genehmigte Instandhaltungsbetriebe)
Die Anforderungen von Part-M (Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit)
Die Rechte, Pflichten und Einschränkungen eines B3-Lizenzinhabers
Die Verfahren für die Freigabe von Instandhaltung und die Freigabe zum Betrieb
Die Meldepflichten und Meldesysteme für Vorkommnisse
Dieses Modul wird auf den Wissensstufen 1, 2 und 3 geprüft, abhängig vom Unterthema. Stufe 3 (detaillierte Theorie) gilt für die Kernaufgaben des freigabeberechtigten Personals, die Bedingungen für die Ausstellung einer Freigabebescheinigung (CRS) und die Rechte der Lizenz.
2. Der Regulierungsrahmen
2.1 Die Hierarchie der EU-Luftfahrtgesetzgebung
Das Luftfahrtregulierungssystem der Europäischen Union funktioniert nach einer hierarchischen Struktur:
17.Die Grundverordnung — Verordnung (EU) 2018/1139 (ehemals Verordnung (EG) Nr. 216/2008) begründet die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) und legt den übergeordneten Rechtsrahmen für die Sicherheit der Zivilluftfahrt in der EU fest.
18.Durchführungsverordnungen — Dies sind verbindliche Rechtsakte, die die Grundverordnung umsetzen. Die für Instandhaltungspersonal relevantesten sind:
Verordnung (EU) Nr. 1321/2014 — die Verordnung zur Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit, enthaltend:
Anhang I (Part-M) — Anforderungen an die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit von Luftfahrzeugen
Anhang II (Part-145) — Anforderungen an Instandhaltungsbetriebe
Anhang III (Part-66) — Anforderungen an die Lizenzierung von Instandhaltungspersonal
Anhang IV (Part-147) — Anforderungen an Instandhaltungsausbildungsbetriebe
Verordnung (EU) Nr. 748/2012 — die Verordnung zur anfänglichen Lufttüchtigkeit, enthaltend Part-21 (Zertifizierung von Luftfahrzeugen und zugehörigen Produkten, Teilen und Ausrüstungen)
25.Akzeptable Nachweisverfahren (AMC) und Durchführbarkeitshinweise (GM) — Dies sind nicht verbindliche Dokumente, die von der EASA herausgegeben werden und akzeptable Methoden zur Erfüllung der Vorschriften bereitstellen. Alternative Methoden können verwendet werden, wenn sie als gleichwertig nachgewiesen werden.
26.Zertifizierungsspezifikationen (CS) — Technische Standards, die für die Zertifizierung von Produkten, Teilen und Ausrüstungen verwendet werden.
2.2 Wichtige Begriffsdefinitionen| Begriff | Definition |
|------|------------|
| Freigabeberechtigtes Personal | Personal, das befugt ist, nach Wartungsarbeiten eine Freigabebescheinigung (CRS) zu unterzeichnen |
| Freigabebescheinigung (CRS) | Das Dokument, das bestätigt, dass die Wartung ordnungsgemäß durchgeführt wurde und das Luftfahrzeug lufttüchtig ist |
| Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit | Alle Prozesse, die sicherstellen, dass ein Luftfahrzeug seiner genehmigten Konstruktion entspricht und für den Betrieb sicher ist |
| Wartung | Eine oder eine Kombination aus Überholung, Reparatur, Inspektion, Austausch, Änderung oder Behebung von Mängeln |
| Lebensdauerbegrenztes Teil | Ein Teil mit einem verbindlichen Austauschintervall, das in den genehmigten Wartungsdaten festgelegt ist |
| Musterberechtigung | Die spezifischen Luftfahrzeugmuster, für die ein Lizenzinhaber eine Ausbildung abgeschlossen hat und zur Freigabe berechtigt ist |
3. Part-66 — Lizenzierung von Wartungspersonal
3.1 Die Luftfahrzeug-Instandhaltungslizenz (AML)
Part-66 (Anhang III der Verordnung (EU) Nr. 1321/2014) legt die Anforderungen für die Ausstellung, Verlängerung und Rechte der Luftfahrzeug-Instandhaltungslizenz fest.
Wesentliche Bestimmungen von Part-66.A.10 (Antrag und Gültigkeit):
Die AML wird von der zuständigen Behörde eines EU-Mitgliedstaats ausgestellt
Die Lizenz hat unbegrenzte Gültigkeit — sie erfordert keine regelmäßige Verlängerung
Die Lizenz kann von der zuständigen Behörde widerrufen, ausgesetzt oder eingeschränkt werden, wenn der Inhaber die Anforderungen nicht erfüllt
Die Lizenz bleibt gültig, sofern der Inhaber weiterhin die Erfahrungsanforderungen erfüllt
Mindestalteranforderung: Ein Antragsteller für eine AML muss mindestens 18 Jahre alt sein (Part-66.A.5(a)).
3.2 Lizenzkategorien
Part-66 definiert mehrere Lizenzkategorien. Die Kategorie B3 gilt speziell für:
Leichthubschrauber (maximale Startmasse nicht mehr als 3.175 kg)
Kleine nicht-komplexe Flugzeuge (maximale Startmasse nicht mehr als 2.725 kg)
Die B3-Lizenz umfasst das gesamte Luftfahrzeug, einschließlich Zelle, Triebwerke (Kolben-/Hubkolbenmotoren), elektrische Systeme und Avioniksysteme. Sie umfasst nicht Turbinentriebwerke — für Luftfahrzeuge mit Turbinentriebwerken ist eine andere Kategorie (B2 oder B1 mit entsprechender Unterkategorie) erforderlich.
Verpflichtende Prüfungsmodule für B3 (Part-66 Anhang I):
Aerodynamik, Strukturen und Systeme von Flugzeugen
Modul 12
Aerodynamik, Strukturen und Systeme von Hubschraubern
Modul 13
Aerodynamik, Strukturen und Systeme von Luftfahrzeugen (nicht anwendbar auf B3)
Modul 14
Antrieb (Kolbenmotoren)
Modul 15
Gasturbinentriebwerk (nicht anwendbar auf B3)
Modul 16
Kolbenmotor (nicht anwendbar auf B3)
Modul 17
Propeller (nicht anwendbar auf B3)
Hinweis: Modul 15 (Gasturbinentriebwerk) ist keine verpflichtende Anforderung für die Kategorie B3. Modul 14 (Antrieb) deckt die Anforderungen an Kolbenmotoren für B3 ab.
3.3 Rechte der B3-Lizenz
Part-66.A.20 definiert die Rechte des Lizenzinhabers:- Die B3-Lizenz berechtigt den Inhaber, Wartungsarbeiten zu zertifizieren (CRS auszustellen) an Luftfahrzeugen, die von der Kategorie B3 abgedeckt werden
Der Inhaber darf auch Wartungsarbeiten beaufsichtigen, die von nicht lizenziertem Personal durchgeführt werden
Der Inhaber muss über die entsprechende Musterberechtigung für den spezifischen Luftfahrzeugtyp verfügen
Musterberechtigungen für B3: Anders als bei einigen anderen Kategorien werden B3-Musterberechtigungen für spezifische Luftfahrzeugtypen erteilt (z. B. Robinson R22, Cessna 172). Der Inhaber muss eine Musterschulung absolvieren und die entsprechende Prüfung bestehen, um eine Musterberechtigung zu erhalten.
3.4 Anforderungen für die Ausübung von Lizenzrechten
Part-66.A.20(e) legt fest, dass der Inhaber zur Ausübung der Lizenzrechte über Folgendes verfügen muss:
Mindestens 6 Monate einschlägige Wartungserfahrung in den vorangegangenen 2 Jahren, ODER
Die Anforderungen an die Auffrischungsschulung erfüllt hat, wie von der zuständigen Behörde festgelegt
Diese Anforderung stellt sicher, dass zertifizierendes Personal aktuelle Kenntnisse und praktische Kompetenz aufrechterhält.
3.5 Aussetzung und Entzug
Wenn eine Lizenz ausgesetzt oder entzogen wird (Part-66.A.20(b)), kann der Antragsteller sie wiedererlangen durch:
Absolvieren eines Auffrischungsschulungskurses, wie von der zuständigen Behörde festgelegt
Bestehen der anwendbaren Prüfungen
Dies stellt sicher, dass das zertifizierende Personal vor der Wiedererteilung der Lizenz aktuelle Kenntnisse nachweist.
3.6 Verantwortlichkeiten des Lizenzinhabers
Der Lizenzinhaber ist persönlich verantwortlich für:
Sicherstellung, dass alle zertifizierten Wartungsarbeiten gemäß genehmigten Daten durchgeführt wurden
Sicherstellung, dass das Luftfahrzeug lufttüchtig und für den Betrieb sicher ist
Sicherstellung, dass alle erforderlichen Unterlagen vor Ausstellung einer CRS vollständig sind
Aufrechterhaltung der eigenen Kompetenz und aktuellen Erfahrung
Meldung von Mängeln oder Vorkommnissen, die den sicheren Betrieb des Luftfahrzeugs beeinträchtigen könnten
4. Part-145 — Genehmigte Instandhaltungsbetriebe
4.1 Geltungsbereich und Anwendbarkeit
Part-145 (Anhang II der Verordnung (EU) Nr. 1321/2014) legt die Anforderungen für Organisationen fest, die Wartungsarbeiten an Luftfahrzeugen und Bauteilen durchführen. Eine Part-145-Genehmigung ist erforderlich für:
Wartung von Luftfahrzeugen, die für kommerzielle Betriebszwecke verwendet werden
Wartung von Bauteilen (sofern nicht vom Luftfahrzeugeigentümer unter bestimmten Bedingungen durchgeführt)
Jede Wartung, die von einer Organisation durchgeführt wird, die ein EASA-Formular 1 ausstellt
4.2 Personalanforderungen (Part-145.A.30)
Die Instandhaltungsorganisation muss sicherstellen, dass:
Alle Personen, die Wartungsarbeiten durchführen, für die zugewiesenen Aufgaben geschult und qualifiziert sind
Zertifizierendes Personal über die entsprechende Part-66-Lizenz und Musterberechtigung verfügt
Nicht lizenziertes Personal Wartungsarbeiten nur unter direkter Aufsicht von zertifizierendem Personal oder entsprechend qualifiziertem Personal durchführen darf
Aufgabenspezifische Schulungen bereitgestellt und dokumentiert werden
Direkte Aufsicht bedeutet, dass der Aufsichtsführende anwesend sein und unmittelbare Anleitung und Überprüfung der Arbeiten bieten können muss. Das bloße Überprüfen des Endergebnisses nach Abschluss der Arbeiten stellt keine direkte Aufsicht dar.
4.3 Zertifizierung von Wartungsarbeiten (Part-145.A.50)
Part-145.A.50 legt die Anforderungen für die Zertifizierung von Wartungsarbeiten fest:- Ein Freigabebescheinigung (CRS) muss nach Abschluss jeglicher Wartungsarbeiten ausgestellt werden
Die CRS darf nur von autorisiertem freigabeberechtigtem Personal ausgestellt werden
Das freigabeberechtigte Personal muss die Arbeiten persönlich durchgeführt oder direkt überwacht haben
Die Wartung muss gemäß genehmigten Daten durchgeführt worden sein
Das Luftfahrzeug muss lufttüchtig und für den Betrieb sicher sein
Grundprinzip: Die CRS ist keine bloße Formalität — sie ist eine rechtliche Bescheinigung der Lufttüchtigkeit. Das freigabeberechtigte Personal, das die CRS unterzeichnet, übernimmt die persönliche Verantwortung für die durchgeführte Wartung. Diese Verantwortung ist persönlich und kann nicht auf die Organisation übertragen werden.
Bedingungen für die Ausstellung einer CRS:
97.Alle erforderlichen Wartungsarbeiten wurden ordnungsgemäß durchgeführt
98.Die Wartung wurde gemäß genehmigten Daten durchgeführt
99.Das freigabeberechtigte Personal hat die Kontrolle über die durchgeführte Wartung
100.Das freigabeberechtigte Personal hat die Arbeiten persönlich durchgeführt oder direkt überwacht
101.Es verbleiben keine Mängel, die den sicheren Betrieb des Luftfahrzeugs beeinträchtigen würden
102.Alle erforderlichen Unterlagen sind vollständig
4.4 Werkzeuge und Ausrüstung (Part-145.A.40)
Die Instandhaltungsorganisation muss sicherstellen, dass:
Alle Werkzeuge und Ausrüstungen kontrolliert und kalibriert sind
Werkzeuge für die durchzuführenden Aufgaben geeignet sind
Die richtigen Werkzeuge für jede Aufgabe verwendet werden
Wichtiges Prinzip: Die Wartungsdaten geben Drehmomentwerte und andere Parameter in bestimmten Einheiten vor. Die Verwendung von Werkzeugen, die in anderen Einheiten kalibriert sind, birgt ein Fehlerrisiko und ist nicht akzeptabel, es sei denn, die genehmigten Daten erlauben ausdrücklich alternative Einheiten. Das freigabeberechtigte Personal muss die vorgeschriebenen Werkzeuge verwenden.
4.5 Wartungsdaten (Part-145.A.45)
Die Organisation muss sicherstellen, dass:
Alle anwendbaren Wartungsdaten verfügbar und aktuell sind
Wartung gemäß den genehmigten Daten durchgeführt wird
Jegliche Abweichungen von den genehmigten Daten eine vorherige Genehmigung erfordern
Genehmigte Daten umfassen:
Das Wartungshandbuch des Herstellers (AMM), das Strukturreparaturhandbuch (SRM) und das Komponentenwartungshandbuch (CMM)
Der Abschnitt Lufttüchtigkeitsbegrenzungen (ALS) der Anweisungen zur Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit
Service-Bulletins und Lufttüchtigkeitsanweisungen
Von der zuständigen Behörde genehmigte Daten
4.6 Meldung von Vorkommnissen (Part-145.A.60)
Part-145.A.60 verlangt, dass:
Jeder Defekt, jede Fehlfunktion oder jedes Vorkommnis, das den sicheren Betrieb eines Luftfahrzeugs beeinträchtigen könnte, gemeldet werden muss
Meldungen über das Meldesystem der Organisation an die zuständige Behörde erfolgen
Meldungen auch gemäß den Verfahren der Organisation an den Qualitätsmanager erfolgen
Dies ist eine wesentliche Sicherheitsverantwortung des freigabeberechtigten Personals. Die Nichtmeldung eines erheblichen Defekts ist ein Verstoß gegen Part-145 und kann zu Durchsetzungsmaßnahmen führen.
5. Part-M — Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit
5.1 Geltungsbereich und Anwendbarkeit
Part-M (Anhang I zur Verordnung (EU) Nr. 1321/2014) legt die Anforderungen an die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit von Luftfahrzeugen fest. Es gilt für:
Alle Luftfahrzeuge, die in einem EU-Mitgliedstaat eingetragen sind
Alle Luftfahrzeuge, die von EU-Betreibern betrieben werden
5.2 Verantwortlichkeiten des Eigentümers (Part-M.A.201)
Der Eigentümer eines Luftfahrzeugs ist verantwortlich für:- Sicherstellung, dass das Luftfahrzeug in einem lufttüchtigen Zustand gehalten wird
Sicherstellung, dass jeder Fehler, der die Sicherheit beeinträchtigen könnte, vor dem Flug behoben wird
Sicherstellung, dass die Instandhaltung gemäß dem genehmigten Instandhaltungsprogramm durchgeführt wird
Sicherstellung, dass alle anwendbaren Lufttüchtigkeitsanweisungen erfüllt werden
Der Eigentümer kann eine Part-145-Organisation oder eine Part-M-Unterabschnitt-F-Instandhaltungsorganisation mit der Durchführung der Arbeiten beauftragen, aber die letztendliche Verantwortung verbleibt beim Eigentümer.
5.3 Das Instandhaltungsprogramm (Part-M.A.302)
Das Instandhaltungsprogramm muss:
Von der zuständigen Behörde genehmigt sein
Auf den Empfehlungen des Herstellers basieren
Alle verbindlichen Anforderungen (z. B. Lufttüchtigkeitsbegrenzungen) enthalten
Überprüft und bei Bedarf aktualisiert werden
Wichtiger Grundsatz: Jede Änderung des Instandhaltungsprogramms, einschließlich der Verlängerung von Inspektionsintervallen, erfordert die Genehmigung durch die zuständige Behörde. Die CAMO darf das Programm nicht einseitig ändern. Das Genehmigungsverfahren kann eine Zuverlässigkeitsanalyse oder andere Nachweise umfassen, die belegen, dass das Sicherheitsniveau aufrechterhalten wird.
5.4 Fortsetzung der Lufttüchtigkeitsverwaltung (Part-M Unterabschnitt F)
Eine Organisation für die Fortsetzung der Lufttüchtigkeitsverwaltung (CAMO) kann beauftragt werden, die Fortsetzung der Lufttüchtigkeit eines Luftfahrzeugs zu verwalten. Die CAMO ist verantwortlich für:
Die Entwicklung und Verwaltung des Instandhaltungsprogramms
Die Sicherstellung, dass die Instandhaltung von einer geeigneten Organisation durchgeführt wird
Die Verfolgung von Lufttüchtigkeitsanweisungen und Service-Bulletins
Die Führung der Instandhaltungsaufzeichnungen des Luftfahrzeugs
Zwischen dem Eigentümer/Betreiber und der CAMO muss ein schriftlicher Instandhaltungsvertrag bestehen (Part-M.A.201). Dieser Vertrag muss die Verantwortlichkeiten und den Arbeitsumfang festlegen.
5.5 Lufttüchtigkeitsbegrenzungen
Lebensdauerbegrenzte Teile haben verbindliche Austauschintervalle, die in den genehmigten Instandhaltungsdaten festgelegt sind (in der Regel im Abschnitt Lufttüchtigkeitsbegrenzungen der Anweisungen zur Fortsetzung der Lufttüchtigkeit). Diese Grenzen:
Sind verbindlich und können ohne eine genehmigte Konstruktionsänderung nicht verlängert werden
Sind von der EASA oder dem Konstruktionsstaat genehmigt
Müssen verfolgt und eingehalten werden
Ein Riss in einem kritischen Bauteil (z. B. einem Hauptrotorblatt) macht das Luftfahrzeug luftuntüchtig. Verlängerungen sind nur durch eine von der EASA oder dem Konstruktionsstaat genehmigte Änderung möglich.
6. Part-21 — Konstruktions- und Herstellungsgenehmigung
6.1 Geltungsbereich und Anwendbarkeit
Part-21 (Anhang I der Verordnung (EU) Nr. 748/2012) legt die Anforderungen für die Zertifizierung von Luftfahrzeugen und zugehörigen Produkten, Teilen und Ausrüstungen fest. Es umfasst:
Musterzulassung
Herstellungsgenehmigung
Lufttüchtigkeitszeugnis
Genehmigung von Konstruktionsänderungen und Reparaturen
6.2 Genehmigung von Reparaturen (Part-21.A.433)
Wenn eine Reparatur nicht durch vorhandene genehmigte Instandhaltungsdaten abgedeckt ist:
Erfordert die Reparaturkonstruktion eine Genehmigung gemäß Part-21
Die Genehmigung kann von der EASA oder von einem Inhaber einer Konstruktionsbetriebsgenehmigung (DOA) mit dem entsprechenden Geltungsbereich erteilt werden
Das freigabeberechtigte Personal darf die Konstruktion nicht genehmigen — es kann nur die Ausführung der Reparatur unter Verwendung genehmigter Daten bescheinigen
Der OEM kann Daten bereitstellen, aber die Genehmigung muss von einer Part-21-Konstruktionsorganisation oder der zuständigen Behörde stammenKernprinzip: Ein freigabeberechtigtes Personal darf Wartung nur dann freigeben, nachdem es sichergestellt hat, dass alle erforderlichen Wartungsarbeiten ordnungsgemäß gemäß den genehmigten Daten durchgeführt wurden. Jede Reparatur, die nicht durch genehmigte Daten abgedeckt ist, erfordert die Genehmigung der zuständigen Behörde oder die Verwendung von durch die zuständige Behörde genehmigten Daten.
7. Die Freigabebescheinigung (Certificate of Release to Service – CRS)
7.1 Zweck und rechtliche Bedeutung
Die CRS ist das Dokument, das:
Bescheinigt, dass die Wartung ordnungsgemäß durchgeführt wurde
Bestätigt, dass das Luftfahrzeug lufttüchtig und für den Betrieb sicher ist
Eine rechtliche Bescheinigung der Lufttüchtigkeit darstellt
Die persönliche Verantwortung des freigabeberechtigten Personals begründet
7.2 Bedingungen für die Ausstellung einer CRS
Das freigabeberechtigte Personal darf eine CRS nur dann ausstellen, wenn alle der folgenden Bedingungen erfüllt sind:
181.Alle erforderlichen Wartungsarbeiten wurden ordnungsgemäß durchgeführt — einschließlich aller geplanten Inspektionen und etwaiger Fehlerbehebungen
182.Die Wartung wurde gemäß den genehmigten Daten durchgeführt — Abweichungen von den genehmigten Daten sind nicht zulässig
183.Das freigabeberechtigte Personal hat die Arbeiten persönlich durchgeführt oder direkt beaufsichtigt — das Unterzeichnen einer CRS für Arbeiten, die nicht durchgeführt oder beaufsichtigt wurden, ist ein Verstoß
184.Das freigabeberechtigte Personal besitzt die entsprechende Lizenzkategorie und Musterberechtigung — alleinige Erfahrung oder Aufsicht ersetzt nicht die erforderliche Lizenz
185.Das Luftfahrzeug ist lufttüchtig und für den Betrieb sicher — es dürfen keine bekannten Mängel verbleiben, die die Sicherheit beeinträchtigen könnten
186.Alle erforderlichen Unterlagen sind vollständig — einschließlich Wartungsaufzeichnungen und etwaiger anzuwendender Formulare
7.3 Persönliche Verantwortung
Das freigabeberechtigte Personal, das die CRS unterzeichnet:
Übernimmt die persönliche Verantwortung für die durchgeführte Wartung
Ist dafür verantwortlich, dass alle erforderlichen Inspektionen abgeschlossen sind
Ist für die Lufttüchtigkeit des Luftfahrzeugs verantwortlich
Kann diese Verantwortung nicht auf die Organisation übertragen
Kann Durchsetzungsmaßnahmen (einschließlich Lizenzentzug) bei Verstößen unterliegen
Kritischer Punkt: Wenn nach Ausstellung einer CRS ein Mangel festgestellt wird, der bereits vor der Ausstellung der CRS vorhanden war, aber während der Inspektion nicht erkannt wurde, ist das freigabeberechtigte Personal, das die CRS unterzeichnet hat, in erster Linie verantwortlich.
8. Wartungspersonal — Qualifikation und Aufsicht
8.1 Lizenziertes vs. nicht lizenziertes Personal
Lizenziertes Personal (freigabeberechtigtes Personal):
Besitzt eine Part-66-Lizenz mit der entsprechenden Kategorie und Musterberechtigung
Ist zur Ausstellung von CRS berechtigt
Darf nicht lizenziertes Personal beaufsichtigen
Nicht lizenziertes Personal (Auszubildende/Mechaniker):
Darf Wartungsaufgaben durchführen
Muss unter der direkten Aufsicht von freigabeberechtigtem Personal oder entsprechend qualifiziertem Personal arbeiten
Hat nicht die Befugnis, CRS auszustellen
8.2 Anforderungen an die Durchführung von Aufgaben
Part-145.A.30 verlangt, dass:
Personal, das Wartungsarbeiten durchführt, für die zugewiesenen Aufgaben geschult und qualifiziert ist
Die B3-Lizenz eine Grundqualifikation ist — die Organisation muss aufgabenspezifische Schulungen und Berechtigungen bereitstellen
Das freigabeberechtigte Personal dafür verantwortlich ist, dass die Person, die die Aufgabe durchführt, kompetent ist
Musterberechtigungen für freigabeberechtigtes Personal erforderlich sind, nicht unbedingt für Mechaniker, aber Aufgabenschulungen sind verpflichtend
8.3 Direkte Aufsicht
Direkte Aufsicht bedeutet, dass der Vorgesetzte:- Muss anwesend sein und in der Lage sein, unmittelbare Anweisungen zu geben
Muss in der Lage sein, die Arbeit zu inspizieren
Muss die Kontrolle über die durchgeführte Wartung haben
Allein die Überprüfung des Endergebnisses nach Abschluss der Arbeit stellt keine direkte Aufsicht dar.
9. Aufschub von Mängeln und Einhaltung des Wartungsprogramms
9.1 Aufgeschobene Mängel
Eine Freigabe zum Betrieb darf nur erteilt werden, wenn die gesamte erforderliche Wartung ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Ein Mangel darf nur aufgeschoben werden, wenn:
Der Aufschub ausdrücklich durch die genehmigten Wartungsdaten erlaubt ist (z. B. MEL/CDL)
Der Aufschub durch das Wartungsprogramm gestattet ist
Der Aufschub gemäß den Verfahren der Organisation aufgezeichnet wird
Wichtiger Grundsatz: Mündliche Benachrichtigung oder Ersatz von Materialien ohne Genehmigung verstößt gegen die genehmigten Wartungsdaten und die Anforderungen von Part-145.
9.2 Schmierung und planmäßige Wartung
Eine Schmierungsaufgabe ist Teil der planmäßigen Wartung. Wenn sie nicht abgeschlossen werden kann:
Ist das Luftfahrzeug nicht lufttüchtig, sofern kein genehmigter Aufschub vorliegt
Muss das richtige Fett verwendet werden — ein Ersatz ohne Genehmigung ist nicht zulässig
Darf das freigabeberechtigte Personal keine CRS ausstellen, bis die Aufgabe abgeschlossen ist oder ein genehmigter Aufschub vorliegt
10. Maßeinheiten und Werkzeug
10.1 Korrekte Verwendung von Einheiten
Das Wartungshandbuch gibt Drehmomentwerte und andere Parameter in bestimmten Einheiten an (z. B. Zoll-Pfund, Newtonmeter, lb-ft). Das freigabeberechtigte Personal muss:
Die angegebenen Einheiten wie in den genehmigten Daten festgelegt verwenden
Werkzeuge verwenden, die in den gleichen Einheiten kalibriert sind wie angegeben
Einheiten nicht umrechnen, sofern die genehmigten Daten dies nicht ausdrücklich erlauben
Begründung: Die Verwendung eines Drehmomentschlüssels mit anderen Einheiten als angegeben birgt das Risiko einer falschen Drehmomentanwendung. Die genehmigten Daten erlauben keine Abweichung von den angegebenen Einheiten.
10.2 Werkzeugkontrolle
Part-145.A.40 verlangt, dass:
Alle Werkzeuge und Geräte kontrolliert und kalibriert sind
Werkzeuge für die durchzuführenden Aufgaben geeignet sind
Die Kalibrierung aktuell und rückverfolgbar ist
11. Internationale und nationale regulatorische Schnittstellen
11.1 Anwendbarkeit auf EU-registrierte Luftfahrzeuge
Part-145 gilt für die Wartung von EU-registrierten Luftfahrzeugen, die von EU-Part-145-Organisationen durchgeführt wird. Die Freigabe zum Betrieb wird geregelt durch:
Die Staatsangehörigkeit des Betreibers ändert nicht die regulatorische Grundlage für die Zertifizierung der Wartungsorganisation. ICAO-Anhang 6 legt internationale Standards fest, ersetzt jedoch nicht die EU-Vorschriften für EU-registrierte Luftfahrzeuge.
11.2 EASA-Formular 1
Das EASA-Formular 1 ist die Freigabebescheinigung zum Betrieb für Bauteile. Es bescheinigt, dass das Bauteil gemäß den genehmigten Daten gewartet wurde und lufttüchtig ist.
12. Häufige Beziehungen zwischen Konzepten
Die folgenden Beziehungen sind grundlegend für das Verständnis des regulatorischen Rahmens:
Lizenz → Rechte → Verantwortung
Die Part-66-Lizenz gewährt das Recht, Wartungsarbeiten zu bescheinigen
Mit diesem Recht geht die persönliche Verantwortung für die Lufttüchtigkeit des Luftfahrzeugs einher
Die Lizenz kann widerrufen oder ausgesetzt werden, wenn der Inhaber die Anforderungen nicht erfüllt
Genehmigte Daten → Wartungsdurchführung → CRS- Wartung muss gemäß genehmigten Daten durchgeführt werden
Das freigabeberechtigte Personal muss die Übereinstimmung mit den genehmigten Daten überprüfen
Erst dann darf eine CRS ausgestellt werden
Überwachung → Kontrolle → Freigabe
Direkte Überwachung gewährleistet die Kontrolle über die durchgeführte Wartung
Kontrolle ist eine Voraussetzung für die Freigabe
Das freigabeberechtigte Personal muss ausreichende Aufsicht und Gewissheit über die Qualität der Arbeit haben
Wartungsprogramm → Genehmigung → Einhaltung
Das Wartungsprogramm muss von der zuständigen Behörde genehmigt werden
Änderungen erfordern die Genehmigung der Behörde
Die Einhaltung des Programms ist verpflichtend
Defekt → Behebung → Freigabe
Jeder Defekt, der die Sicherheit beeinträchtigen könnte, muss vor der Freigabe behoben werden
Die Behebung muss unter Verwendung genehmigter Daten erfolgen
Eine Aufschiebung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung möglich
13. Typische Prüfungsschwerpunkte
Bei der Vorbereitung auf die Modul-10-Prüfung sollten Sie besonders auf folgende Bereiche achten:
13.1 Verantwortlichkeiten des freigabeberechtigten Personals (Hohe Priorität)
Die persönliche Verantwortung des freigabeberechtigten Personals, das eine CRS unterzeichnet
Die Bedingungen, die vor der Ausstellung einer CRS erfüllt sein müssen
Das Verbot, eine CRS für Arbeiten zu unterzeichnen, die nicht persönlich durchgeführt oder direkt überwacht wurden
Die Konsequenzen der Unterzeichnung einer CRS ohne entsprechende Berechtigung
13.2 Lizenzanforderungen (Hohe Priorität)
Mindestalter: 18 Jahre
Unbegrenzte Gültigkeit der AML
Erfahrungsanforderungen: 6 Monate in den vorangegangenen 2 Jahren
Aussetzungs-/Entzugsverfahren: Auffrischungsschulung und Prüfungen
Umfang der Kategorie B3: Leichthubschrauber und kleine nicht-komplexe Flugzeuge
13.3 Überwachungsanforderungen (Hohe Priorität)
Anforderungen an die direkte Überwachung von nicht lizenziertem Personal
Der Unterschied zwischen direkter Überwachung und bloßer Überprüfung der Endergebnisse
Die Verantwortung des freigabeberechtigten Personals für die Qualität der unter ihrer Aufsicht durchgeführten Arbeiten
Genehmigung von Reparaturen und Konstruktionsänderungen
15. Fazit
Modul 10 legt die rechtliche und regulatorische Grundlage für die berufliche Praxis von freigabeberechtigtem Instandhaltungspersonal fest. Der Inhaber der B3-Lizenz muss nicht nur die technischen Aspekte der Wartung verstehen, sondern auch den rechtlichen Rahmen, der ihre Arbeit regelt. Die CRS ist das zentrale Dokument, das die durchgeführte Wartung mit der rechtlichen Verantwortung des freigabeberechtigten Personals verbindet. Die Einhaltung genehmigter Daten, die ordnungsgemäße Überwachung von nicht lizenziertem Personal und die Einhaltung des Wartungsprogramms sind unabdingbare Anforderungen.
Die Unterschrift des freigabeberechtigten Personals auf einer CRS ist eine rechtliche Bestätigung der Lufttüchtigkeit, die persönliche Verantwortung mit sich bringt. Das Verständnis des regulatorischen Rahmens ist nicht nur eine akademische Übung — es ist für eine sichere und gesetzeskonforme Praxis unerlässlich.