Modul 1: Mathematik — Übersicht des Lehrplans für die Kategorie B1.4
Dieses Modul vermittelt die grundlegenden mathematischen Kenntnisse, die für die Flugzeugwartungstechnik erforderlich sind. Es umfasst arithmetische Operationen, algebraische Umformungen, Geometrie, Trigonometrie und Einheitenumrechnungen — alles angewendet auf praktische luftfahrttechnische Zusammenhänge wie Triebwerksleistungsberechnungen, Strukturmessungen, Treibstoffberechnungen und Wartungstoleranzen. Der Lehrplan ist in vier Hauptbereiche unterteilt: Arithmetik (1.1), Algebra (1.2), Geometrie (1.3) und Trigonometrie (1.4), mit Wissensstufen von grundlegendem Überblick (Stufe 1) bis zu detailliertem theoretischem Verständnis (Stufe 3).
1.1 Arithmetik
Brüche, Dezimalzahlen und Prozentsätze
Die Flugzeugwartung erfordert häufig die Arbeit mit Bruchmengen, insbesondere bei der Messung von Treibstoffständen, der Berechnung der verbleibenden Nutzungsdauer oder der Auswertung von Inspektionsbefunden.
Wichtige Operationen:
Addition/Subtraktion von Brüchen: Finden Sie einen gemeinsamen Nenner, bevor Sie addieren oder subtrahieren.
Multiplikation von Brüchen: Multiplizieren Sie die Zähler miteinander und die Nenner miteinander.
Division von Brüchen: Multiplizieren Sie mit dem Kehrwert des Divisors.
Umrechnung von Brüchen in Dezimalzahlen: Teilen Sie den Zähler durch den Nenner.
Beispiel — Treibstoffmenge: Ein 200-Liter-Tank ist zu ¾ gefüllt. Aktueller Treibstoff = ¾ × 200 = 150 Liter. Zusätzlich benötigter Treibstoff = 200 − 150 = 50 Liter.
Beispiel — TBO-Bruchteil: Ein Triebwerk hat 1.500 Stunden TBO mit 400 Stunden seit der Überholung. Verbleibend = 1.500 − 400 = 1.100 Stunden. Verbleibender Bruchteil = 1.100 / 1.500 = 11/15 ≈ 0,733.
Verhältnisse und Proportionen
Verhältnisse drücken die Beziehung zwischen zwei Größen aus und sind grundlegend für Triebwerksparameter wie Verdichtungsverhältnis und Getriebeuntersetzungsverhältnisse.
Wartungsinspektionen umfassen oft mehrere Messungen desselben Parameters. Das arithmetische Mittel und die Spannweite liefern wesentliche Informationen über die Messkonsistenz.
Arithmetisches Mittel = Summe aller Werte / Anzahl der Werte
Spannweite = Maximalwert − Minimalwert
Beispiel — Kurbelwellenzapfenmessungen (mm): 49,98, 50,02, 50,00, 50,04
Beispiel — Rundlaufmessungen (mm): 0,02, 0,03, 0,01, 0,04, 0,02
Mittel = 0,12 / 5 = 0,024 mm
Toleranzen und Abweichungen
Fertigungsspezifikationen umfassen Nennmaße mit zulässigen Toleranzen. Die Abweichung wird wie folgt berechnet:
Abweichung = Messwert − Nennwert
Beispiel: Nenndurchmesser = 45,80 mm, Toleranz ±0,05 mm, gemessen = 45,72 mm
Abweichung = 45,72 − 45,80 = −0,08 mm
Da |−0,08| > 0,05, liegt die Messung außerhalb der Toleranz
1.2 Algebra
Lösen linearer Gleichungen
Algebraische Umformungen sind für das Umstellen von Formeln, die bei Wartungsberechnungen verwendet werden, unerlässlich.Beispiel: Lösen Sie 3x − 7 = 2x + 5
Subtrahieren Sie 2x von beiden Seiten: x − 7 = 5
Addieren Sie 7 zu beiden Seiten: x = 12
Beispiel: Lösen Sie 3(x − 4) + 2x = 5x − 12
Ausmultiplizieren: 3x − 12 + 2x = 5x − 12
Vereinfachen: 5x − 12 = 5x − 12
Beide Seiten identisch → die Gleichung gilt für alle reellen Werte von x (Identität)
Potenzen und Exponenten
Die Potenzgesetze sind grundlegend für die technische Notation und wissenschaftliche Berechnungen.
Multiplikationsregel: aᵐ × aⁿ = a^(m+n)
Beispiel: 2³ × 2² = 2^(3+2) = 2⁵ = 32
Weitere wichtige Regeln:
Division: aᵐ ÷ aⁿ = a^(m−n)
Potenz einer Potenz: (aᵐ)ⁿ = a^(m×n)
Negativer Exponent: a⁻ⁿ = 1/aⁿ
Exponent Null: a⁰ = 1
Lineare Beziehungen
Viele luftfahrttechnische Beziehungen sind linear, wie z. B. die Temperaturabnahme mit der Höhe.
Beispiel — Temperaturabnahme: In 500 m Höhe beträgt die Temperatur 15°C. Die Abnahmerate beträgt 2°C pro 500 m.
Höhenunterschied auf 2.500 m = 2.000 m
Anzahl der 500-m-Intervalle = 2.000 / 500 = 4
Temperaturabfall = 4 × 2°C = 8°C
Temperatur in 2.500 m Höhe = 15 − 8 = 7°C
1.3 Geometrie
Flächen gängiger Formen
Rechteck: Fläche = Länge × Breite
Beispiel — Rotorblatt: Länge = 3,5 m, Sehne = 0,25 m
Fläche = 3,5 × 0,25 = 0,875 m²
Kreis: Fläche = π × r² = π × (d/2)²
Beispiel — Hydraulikschlauch: Innendurchmesser = 12 mm
Fläche = 3,14 × (6)² = 3,14 × 36 = 113,04 mm²
Zylindervolumen und Hubraum
Das Hubvolumen eines Zylinders wird wie folgt berechnet:
Der Zündzeitpunkt in Grad vor OT kann in Zeit umgerechnet werden:
Zeit pro Umdrehung = 60 / Drehzahl (Sekunden)
Zeit für Winkel θ = (θ / 360) × Zeit pro UmdrehungBeispiel: Zündung bei 25° vor OT, Motor bei 3.000 U/min
Zeit pro Umdrehung = 60 / 3.000 = 0,02 s = 20 ms
Zeit für 25° = 20 ms × (25/360) = 1,39 ms
Einheiten und Umrechnungen
SI-Basiseinheiten
Größe
Einheit
Symbol
Länge
Meter
m
Masse
Kilogramm
kg
Zeit
Sekunde
s
Kraft
Newton
N
Druck
Pascal
Pa
Energie
Joule
J
Leistung
Watt
W
Häufige Umrechnungen
Drehmoment:
1 ft-lb = 1,356 N·m
1 N·m = 0,7376 lb-ft
Beispiel: 20 ft-lb = 20 × 1,356 = 27,12 N·m
Beispiel: 25 N·m = 25 × 0,7376 = 18,44 lb-ft
Beispiel: 25 ft-lb = 25 × 1,356 = 33,9 N·m
Druck:
1 psi = 6,895 kPa
1 bar = 100 kPa
Beispiel: 60 psi = 60 × 6,895 = 413,7 kPa
Volumen:
1 US-Gallone = 3,785 Liter
Beispiel: 45 L/h ÷ 3,785 = 11,89 US gal/h
Temperatur:
Ein Unterschied von 1°C = 1 K
Absoluter Nullpunkt = −273,15°C
Beispiel: Temperatur fällt von +15°C auf −5°C
Abfall = 15 − (−5) = 20°C = 20 K
Abgeleitete Größen
Dichte: ρ = Masse / Volumen
Beispiel: Kraftstoffdichte = 0,8 kg/L, Tankinhalt = 200 L
Masse = 200 × 0,8 = 160 kg
Beispiel — Kraftstoffverbrauch: 42 L/h, Dichte = 0,72 kg/L
Massenstrom = 42 × 0,72 = 30,24 kg/h
Pro Minute = 30,24 / 60 = 0,504 kg/min
Druck und Kraft: Kraft = Druck × Fläche
Beispiel: Kolbenfläche = 80 cm² = 0,008 m², Druck = 50 bar = 5.000 kPa = 5.000.000 Pa
Kraft = 5.000.000 × 0,008 = 40.000 N = 40 kN
Geschwindigkeit: Geschwindigkeit = Strecke / Zeit
Beispiel: 150 Seemeilen in 1 Stunde 15 Minuten (1,25 Stunden)
Geschwindigkeit = 150 / 1,25 = 120 Knoten
Häufige Beziehungen zwischen Konzepten
166.Motorleistung: Leistung, Drehmoment und Drehzahl stehen über die Winkelgeschwindigkeit in Beziehung. Eine Erhöhung der Drehzahl bei konstanter Leistung reduziert das Drehmoment.
167.Motorgeometrie: Bohrung, Hub und Anzahl der Zylinder bestimmen den Gesamthubraum. Das Verdichtungsverhältnis verbindet Hub- und Verdichtungsraum.
168.Antriebsstrang: Motordrehzahl, Untersetzungsverhältnis des Getriebes und Rotordrehzahl sind direkt proportional.
169.Temperatur und Höhe: Temperaturgradienten erzeugen lineare Temperaturänderungen mit der Höhe, die die Motorleistung und die Berechnung der Dichtehöhe beeinflussen.
170.Messwertanalyse: Mittelwerte zeigen die zentrale Tendenz, während die Spannweite die Streuung der Messwerte angibt — beide sind für die Verschleißbeurteilung und Toleranzprüfung unerlässlich.
171.Einheitensysteme: Viele Wartungshandbücher mischen SI- und imperiale Einheiten; eine genaue Umrechnung ist für die korrekte Drehmomentanwendung, Druckeinstellungen und Kraftstoffberechnungen entscheidend.
Typische Prüfungsschwerpunkte
Drehmoment-/Leistungs-/Drehzahlberechnungen mit der Formel P = T × ω
Verdichtungsverhältnis-Berechnungen aus Hub- und Verdichtungsraum
Einheitenumrechnungen zwischen N·m und ft-lb, psi und kPa, Litern und US-Gallonen
Zylinderhubraum-Berechnungen mit V = (π/4) × D² × L
Winkelgeschwindigkeit-Umrechnung von U/min in rad/s
Satz des Pythagoras-Anwendungen bei Strukturmessungen
Algebraische Umformung linearer Gleichungen und Identitäten
Exponentenregeln für die technische Notation
Arithmetisches Mittel und Spannweite-Berechnungen für Inspektionsdaten
Verhältnis- und Proportionalitäts-Aufgaben für Getriebe und Kraftstoffgemische
Temperaturdifferenz-Umrechnungen zwischen Celsius und Kelvin
Bruch- und Prozent-Anwendungen für Kraftstoffmengen und Lebensdauerberechnungen
Geschwindigkeits-/Strecken-/Zeit-Berechnungen für Flugplanung und Leistungsüberprüfung
---## Behördliche Referenzen
Verordnung (EU) Nr. 1321/2014, Anhang III (Part-66): Legt die grundlegenden Wissensanforderungen für Luftfahrttechniker-Lizenzen fest.
Anhang I zu Part-66: Definiert den Lehrplan für Modul 1 Mathematik mit Wissensstufen:
Stufe 1: Vertrautheit mit grundlegenden Konzepten
Stufe 2: Allgemeine Kenntnisse mit praktischer Anwendung
Stufe 3: Detaillierte Theorie mit vertieftem Verständnis
AMC/GM zu Part-66: Bietet akzeptable Mittel zur Einhaltung sowie Leitlinienmaterial für Prüfungsstandards und Fragetypen.