Modul 6: Werkstoffe und Bauteile
SkyLicence-Studienleitfaden mit Diagrammen.
Modul 6: Werkstoffe und Bauteile
Überblick
Modul 6 des EASA Part-66-Lehrplans vermittelt das grundlegende Wissen, das für luftfahrttechnisches Freigabepersonal erforderlich ist, um die im Flugzeugbau verwendeten Werkstoffe, die bei der Montage eingesetzten Bauteile sowie die auf sie einwirkenden Degradationsmechanismen zu verstehen. Dieses Modul bildet die Grundlage für das Verständnis, warum Flugzeuge auf diese Weise konstruiert sind, warum bestimmte Werkstoffe für bestimmte Anwendungen ausgewählt werden und wie diese Werkstoffe und Komponenten während ihrer gesamten Lebensdauer identifiziert, inspiziert und gewartet werden.
Das Modul umfasst Flugzeugwerkstoffe – sowohl metallische als auch nichtmetallische – Korrosionsmechanismen und -schutz, Verbindungselemente und Sicherungseinrichtungen, Verbundwerkstoffe, Dichtungsmassen sowie zerstörungsfreie Prüfverfahren. Ein gründliches Verständnis dieser Themen ist unerlässlich, um bei Wartung, Reparatur und Freigabe fundierte technische Entscheidungen treffen zu können.
Abschnitt 1: Metallische Flugzeugwerkstoffe
1.1 Eisenwerkstoffe
Stahl bleibt ein kritisches Material im Flugzeugbau, insbesondere für hochbelastete Komponenten wie Fahrwerke, Triebwerksaufhängungen und Steuerungsgestänge. Das wichtigste Legierungselement in Stahl ist Kohlenstoff, wobei zusätzliche Elemente wie Chrom, Nickel und Molybdän spezifische Eigenschaften verleihen.
Klassifizierung von Stählen:
Wärmebehandlung von Stählen:
Die Wärmebehandlung von Stahl umfasst kontrollierte Erwärmungs- und Abkühlungszyklen, um die gewünschten mechanischen Eigenschaften zu erzielen:
Härteprüfung:
Die Verifizierung der Wärmebehandlung erfolgt üblicherweise durch Härteprüfung. Die Rockwell-Härteprüfung ist die in der Flugzeugwartung am häufigsten verwendete Methode. Sie verwendet entweder einen Diamantkegel (für harte Materialien) oder einen Stahlkugel-Eindringkörper (für weichere Materialien). Die Eindringtiefe wird gemessen und in eine Härtezahl umgerechnet. Weitere Verfahren sind die Brinell- und Vickers-Prüfung, die je nach Werkstoff und Bauteilgeometrie spezifische Anwendungen haben.
Identifizierung von Stahlsorten:Stahlbefestigungselemente werden durch radiale Linien auf dem Schraubenkopf gekennzeichnet. Die Anzahl der Linien gibt die Festigkeitsklasse gemäß SAE J429- oder ASTM-Spezifikationen an. Beispielsweise hat eine Schraube der Klasse 5 drei radiale Linien, während eine Schraube der Klasse 8 sechs hat. Dieses Kennzeichnungssystem ist entscheidend, um sicherzustellen, dass bei der Wartung die richtigen Ersatzbefestigungselemente verwendet werden.
1.2 Aluminiumlegierungen
Aluminium ist das am häufigsten verwendete Strukturmaterial im Flugzeugbau aufgrund seines hervorragenden Festigkeits-Gewichts-Verhältnisses, seiner Korrosionsbeständigkeit und Formbarkeit.
Knetaluminiumlegierungen:
Das Bezeichnungssystem für Knetaluminiumlegierungen verwendet eine vierstellige Zahl:
Wärmebehandlung von Aluminiumlegierungen:
Wärmebehandelbare Aluminiumlegierungen werden durch folgende Verfahren verarbeitet:
Der Zustandsbezeichner folgt der Legierungsnummer, wie -T3 (lösungsgeglüht, kaltverformt und natürlich ausgelagert), -T4 (lösungsgeglüht und natürlich ausgelagert) und -T6 (lösungsgeglüht und künstlich ausgelagert).
Auswirkungen von Überhitzung:
Das Überschreiten der Lösungsglühtemperatur verursacht eutektisches Schmelzen an den Korngrenzen, was zu Folgendem führt:
Dieser Zustand ist irreversibel und erfordert eine erneute Wärmebehandlung oder den Austausch des Bauteils.
Niermaterialien:
Vollniete werden üblicherweise aus der Aluminiumlegierung 2117-T4 hergestellt, die eine gute Duktilität zum Setzen bietet und nach der Installation eine ausreichende Festigkeit erreicht. Die Kaltverformung beim Nietsetzen, kombiniert mit natürlichem Auslagern, führt zu einem -T3-Zustand. 2024-T4-Niete sind fester, aber weniger duktil und neigen beim Setzen eher zu Rissen; sie werden typischerweise im vollständig weichgeglühten Zustand gesetzt und dürfen natürlich auslagern. Ein Austausch von Niermaterialien ist ohne technische Genehmigung nicht zulässig.
1.3 Titanlegierungen
Titan bietet eine außergewöhnliche Kombination von Eigenschaften für Luftfahrtanwendungen:- Hohes Festigkeits-Gewichts-Verhältnis
Zu den gängigen Titanlegierungen gehört Ti-6Al-4V (6% Aluminium, 4% Vanadium), das für Strukturbauteile, Verbindungselemente und Triebwerksteile verwendet wird.
Bearbeitungshinweise:
Titan verfestigt sich schnell durch Kaltverfestigung und hat eine schlechte Wärmeleitfähigkeit. Bohren und Bearbeiten erfordern:
Die Nichtbeachtung dieser Parameter führt zu schnellem Werkzeugverschleiß, Kaltverfestigung des Materials und möglichen Schäden am Bauteil.
1.4 Magnesiumlegierungen
Magnesium ist das leichteste Strukturmetall und etwa ein Drittel leichter als Aluminium. Es hat jedoch erhebliche Einschränkungen:
Magnesiumlegierungen werden in begrenzten Anwendungen wie Getriebegehäusen und einigen nicht-strukturellen Bauteilen verwendet. Korrosion von Magnesium erscheint als weißes Pulver mit Abheben der Oberflächenschichten (Abblätterung). Die Reinigung muss sorgfältig mit chromathaltigen chemischen Behandlungen erfolgen; mechanische Methoden wie Drahtbürsten können galvanische Korrosion verursachen und das weiche Material beschädigen.
1.5 Materialidentifikation
Die korrekte Identifizierung von Flugzeugwerkstoffen ist für die Wartung unerlässlich. Zu den Methoden gehören:
Farbe, Härte und Funkentest sind keine zuverlässigen Methoden zur Identifizierung von Aluminiumlegierungen. Der Funkentest ist nur auf Eisenwerkstoffe anwendbar.
Abschnitt 2: Korrosion
2.1 Korrosionsmechanismen
Korrosion ist die Verschlechterung eines Materials durch chemische oder elektrochemische Reaktion mit seiner Umgebung. Sie ist ein bedeutendes Problem in der Flugzeugwartung, da Korrosion die strukturelle Integrität beeinträchtigen und bei unerkannter Ausbreitung zu katastrophalem Versagen führen kann.
Elektrochemische Korrosion:
Für Korrosion sind vier Elemente erforderlich:
Die galvanische Reihe ordnet Metalle nach ihrem elektrochemischen Potenzial. Wenn unterschiedliche Metalle in Gegenwart eines Elektrolyten in Kontakt stehen, korrodiert das unedlere Metall bevorzugt.
2.2 Korrosionsarten
Flächenkorrosion (Allgemeine Korrosion):
Diese Korrosionsform erscheint als gleichmäßiger Angriff über eine Oberfläche. Bei Aluminiumlegierungen tritt sie typischerweise als weiße/graue pulverförmige Ablagerungen mit Lochfraß auf. Flächenkorrosion ist oft das Anfangsstadium schwerwiegenderer Korrosion und muss gegen die zulässigen Schadensgrenzen im SRM bewertet werden.
Lochfraßkorrosion:Pitting ist eine lokalisierte Form der Korrosion, die kleine Hohlräume oder Grübchen erzeugt. Sie wird häufig durch einen lokalen Zusammenbruch der schützenden Oxidschicht eingeleitet. Lochfraß kann visuell schwer zu erkennen sein und erfordert möglicherweise ZfP-Verfahren wie Wirbelstromprüfung, um Tiefe und Ausmaß zu bestimmen.
Interkristalline Korrosion:
Diese Korrosion greift entlang der Korngrenzen an, häufig aufgrund der Ausscheidung intermetallischer Phasen während einer unsachgemäßen Wärmebehandlung. Sie ist anfänglich an der Oberfläche nicht sichtbar und erfordert ZfP-Verfahren wie Wirbelstromprüfung zur Erkennung. Interkristalline Korrosion kann zu Folgendem führen:
Schichtkorrosion (Exfoliationskorrosion):
Eine Form der interkristallinen Korrosion, bei der Korrosionsprodukte die Kornschichten auseinanderdrücken, wodurch sich das Material anhebt und abblättert. Sie tritt häufig bei Aluminiumlegierungen und Magnesiumlegierungen auf und erscheint als weißes Pulver mit schichtartigem Anheben.
Spannungsrisskorrosion (SpRK):
SpRK tritt auf, wenn eine anhaltende Zugspannung (Eigenspannung oder äußere Spannung) auf ein Material in einer korrosiven Umgebung einwirkt. Die Rissbildung ist typischerweise interkristallin und kann bei Spannungsniveaus weit unterhalb der Streckgrenze auftreten. SpRK unterscheidet sich von Ermüdung, die aus zyklischer Belastung resultiert. Hochfeste Aluminiumlegierungen (insbesondere die 7xxx-Serie) und hochfeste Stähle sind anfällig.
Kontaktkorrosion (Galvanische Korrosion):
Kontaktkorrosion tritt auf, wenn ungleiche Metalle in Gegenwart eines Elektrolyten in elektrischem Kontakt stehen. Das unedlere (anodischere) Metall korrodiert bevorzugt. Grünlich-weiße Korrosionsprodukte an Stahlschrauben in Kontakt mit Aluminiumstrukturen sind charakteristisch für Kontaktkorrosion. Vorbeugungsmethoden umfassen:
Reibkorrosion (Fretting-Korrosion):
Reibkorrosion tritt auf, wenn zwei in Kontakt stehende Oberflächen kleine oszillierende Bewegungen erfahren, was zu Verschleiß und Oxidation führt. Sie tritt häufig auf an:
Das charakteristische rot/braune Oxidpulver (bei Stahl) oder schwarze Pulver (bei Aluminium) unterscheidet Reibkorrosion von anderen Korrosionsformen.
Fadenkorrosion (Filiforme Korrosion):
Fadenkorrosion tritt unter Lackfilmen auf und erscheint als fadenförmige Gebilde. Sie ist eine Form der Sauerstoffkonzentrationszellen-Korrosion, die einen beschädigten Lackfilm zur Initiierung erfordert.
2.3 Korrosionsschutz
Eloxieren (Anodisieren):
Eloxieren ist ein elektrolytischer Prozess, der die natürliche Oxidschicht auf Aluminium verdickt. Das Bauteil wird in einem Säureelektrolyten zur Anode gemacht, und an der Oberfläche wird Sauerstoff freigesetzt, wodurch eine dicke, poröse Aluminiumoxidschicht entsteht.
Wesentliche Eigenschaften eloxierter Beschichtungen:
Gängige Eloxierverfahren umfassen Chromat-Eloxieren (MIL-A-8625 Typ I) und Schwefelsäure-Eloxieren (Typ II). Harteloxieren (Typ III) bietet eine dickere, härtere Beschichtung für verschleißfeste Anwendungen.
Chromatierungskonversionsbeschichtung (Alodine):
Chromatierungskonversionsbeschichtungen werden auf Aluminiumoberflächen aufgebracht, um Folgendes zu gewährleisten:
Cadmium-Plattierung:
Cadmium-Plattierung wird auf Stahlbefestigungen und -beschlägen zum Korrosionsschutz angewendet. Cadmium ist anodisch zu Stahl, was bedeutet, dass es bevorzugt korrodiert und so den darunterliegenden Stahl schützt. Weitere Vorteile sind:
Weiße Korrosionsprodukte auf der Cadmium-Plattierung zeigen an, dass das Cadmium opferanodisch korrodiert – dies ist eine selbstbegrenzende Schutzschicht. Rötlich-braune Verfärbungen deuten auf Rostbildung auf dem darunterliegenden Stahl hin, was bedeutet, dass die Plattierung durchbrochen wurde und Aufmerksamkeit erfordert.
Aluminieren:
Aluminieren (Aluminium-Diffusionsbeschichtung) bietet Oxidations- und Korrosionsschutz bei hohen Temperaturen (bis zu ca. 900°C). Es wird an Motorabgaskomponenten und anderen Hochtemperaturanwendungen eingesetzt, bei denen Cadmium- und Zinkbeschichtungen versagen würden.
Primer und Lacke:
Primer werden auf saubere, vorbereitete Oberflächen aufgetragen, um:
Epoxid-Primer und chromatierte Primer sind Standard für Aluminiumlegierungsstrukturen. Der Primer muss sowohl mit dem Untergrund als auch mit dem Decklacksystem kompatibel sein.
2.4 Korrosionsinspektion und -bewertung
Wenn Korrosion festgestellt wird, besteht die erste Maßnahme darin, das Ausmaß des Schadens gegen die zulässigen Grenzwerte zu bewerten, die im SRM festgelegt sind. Dies umfasst:
Ausschleifen ist nur innerhalb der SRM-Grenzen zulässig. Ein Austausch ist erforderlich, wenn die Korrosion die zulässigen Grenzwerte überschreitet oder die strukturelle Integrität beeinträchtigt.
Abschnitt 3: Nichtmetallische Werkstoffe
3.1 Polymere: Thermoplaste und Duroplaste
Thermoplaste:
Thermoplaste erweichen beim Erhitzen und können wiederholt umgeformt und umgeschmolzen werden. Diese Reversibilität ist ihr charakteristisches Merkmal. Häufige Thermoplaste in Flugzeugen sind:
Duroplaste:
Duroplaste durchlaufen während des Aushärtens eine irreversible chemische Vernetzungsreaktion. Einmal ausgehärtet, können sie nicht wieder umgeschmolzen oder umgeformt werden. Häufige Duroplaste sind:
3.2 Acryl-Werkstoffe (Perspex/Plexiglas)
Acryl-Werkstoffe werden häufig für Flugzeugfenster und Kabinenhauben verwendet, aufgrund ihrer:
Spannungsrisse (Crazing):
Crazing ist die Bildung feiner Oberflächenrisse bei Acryl-Werkstoffen, die am häufigsten durch Kontakt mit Lösungsmitteln wie Aceton, Benzin oder Reinigungsmitteln verursacht wird, die die Oberfläche angreifen. Weitere Ursachen sind:
Handhabung und Installation:Acrylfenster werden mit einer Schutzfolie geliefert, die an Ort und Stelle bleiben muss, bis alle angrenzenden Arbeiten (Bohren, Abdichten, Nieten) abgeschlossen sind. Ein zu frühes Entfernen der Folie setzt die Scheibe Kratzern und chemischen Angriffen aus.
Reparaturhinweise:
Gerissene Acrylfenster müssen ersetzt, nicht repariert werden. Risse verringern die strukturelle Integrität und können sich unter Druckbelastung ausbreiten. Das Stoppbohren ist keine zugelassene Dauerreparatur für Fenster.
3.3 ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol)
ABS ist ein Thermoplast, der für Verkleidungen und nicht-strukturelle Bauteile verwendet wird. Wichtige Überlegungen umfassen:
3.4 Verbundwerkstoffe
Verbundwerkstoffe bestehen aus einer Matrix (Harz), die mit Fasern verstärkt ist. Die Matrix überträgt Lasten zwischen den Fasern und schützt sie vor Umweltschäden, während die Fasern Festigkeit und Steifigkeit bereitstellen.
Fasertypen:
Harzsysteme:
Aushärtungsüberwachung:
Die Glasübergangstemperatur (Tg) steht in direktem Zusammenhang mit dem Aushärtungsgrad von duroplastischen Harzen. Ein vollständig ausgehärtetes Harz hat eine charakteristische Tg; eine niedrigere Tg weist auf eine unzureichende Aushärtung hin. Die Tg-Prüfung verifiziert, dass der Aushärtungszyklus (Zeit/Temperatur) ausreichend war.
Verbundwerkstoff-Defekte:
Vakuumbeutelverfahren:
Das Vakuumbeutelverfahren verdichtet Verbundlaminate während des Aushärtens:
Wabenstrukturen:
Waben-Sandwichstrukturen bestehen aus einem Wabenkern, der zwischen zwei Deckschichten verklebt ist. Kernmaterialien umfassen Aluminium, Nomex (Aramidpapier) und Glasfaser.
Kernspleißen:
Beim Einspleißen von neuem Wabenkern in vorhandenen Kern:
Kernkorrosion:Feuchtigkeitseintritt durch Risse oder beschädigte Deckschichten ist die Hauptursache für Korrosion in Wabenkernen aus Aluminium. Regelmäßige Inspektionen auf Wassereintritt sind unerlässlich.
Blitzschutz:
Verbundstrukturen enthalten häufig ein leitfähiges Netz oder eine Folie (Kupfer oder Aluminium) für den Blitzschutz. Leitfähigkeitstests stellen sicher, dass das LSP-System durchgängig und wirksam ist und Blitzströme sicher abgeleitet werden. Dieser Test misst weder die strukturelle Integrität, den Aushärtungszustand noch den Feuchtigkeitsgehalt.
Zulässiger Schaden:
Kleine, flache Dellen, die weder den Kern noch die Verklebung beeinträchtigen, können innerhalb der zulässigen Schadensgrenzen liegen und dürfen unrepariert bleiben, sofern sie die SRM-Grenzen nicht überschreiten. Kernschäden, Delaminationen und Durchstiche erfordern eine Reparatur.
Abschnitt 4: Verbindungselemente
4.1 Vollnieten
Vollnieten sind die am häufigsten verwendeten dauerhaften Verbindungselemente in Flugzeugstrukturen. Sie bestehen aus einem Fertigungskopf und einem Schaft; beim Setzen wird das Schaftende zu einem Setzkopf verformt.
Nietwerkstoffe:
Nietkennzeichnung:
Kopfmarkierungen an Nieten geben den Werkstoff an:
Nietauswahl:
Entscheidende Faktoren bei der Nietauswahl sind:
Nietmontage:
Nietentfernung:
Um einen beschädigten Niet zu entfernen, ohne das Loch zu vergrößern:
Nietersatz:
Nietwerkstoff-Substitutionen sind ohne Genehmigung der Ingenieurabteilung nicht zulässig. Das SRM oder AMM legt den genauen Nietwerkstoff für jede Anwendung fest.
4.2 Bolzen und Muttern
Bolzenkennzeichnung:
Stahlbolzen sind auf dem Kopf mit radialen Linien zur Kennzeichnung der Festigkeitsklasse markiert:
Das Bolzenmaterial kann auch anhand der Kopfmarkierungen identifiziert werden (z. B. „AN" für Air Force-Navy Standard, „MS" für Military Standard).
Hi-Lok-Verbindungselemente:
Hi-Lok-Verbindungselemente bestehen aus einem Gewindebolzen und einer Hülse (Collar), die mit einem Schraubenschlüssel verstemmt (geswaged) wird. Hauptmerkmale:- Gleichmäßiges Festklemmen ohne die Notwendigkeit eines Drehmomentschlüssels
Lockbolts:
Lockbolts werden durch Aufstauchen eines Kragens auf den Bolzen mit einem speziellen hydraulischen Werkzeug installiert. Sie benötigen kein Drehmoment, keine Splinte und kein Schweißen.
Selbstsichernde Muttern:
Selbstsichernde Muttern enthalten eine Sicherungsfunktion – entweder einen Nyloneinsatz oder verformte (nicht kreisförmige) Gewinde – die Reibung auf den Bolzengewinden erzeugt.
Scherstifte:
Ein Scherstift ist so ausgelegt, dass er bei einer bestimmten Scherbelastung bricht und als mechanische Sicherung dient, um das System vor Überlastung zu schützen.
4.3 Schnellverschlüsse
Dzus-Verschlüsse:
Dzus-Verschlüsse sind Vierteldrehungs-Schnellverschlüsse, die für das schnelle Entfernen von nicht-strukturellen Verkleidungen ausgelegt sind. Sie werden nicht für die Primärstruktur verwendet.
4.4 Temporäre Befestigungselemente
Clecos:
Clecos sind federbelastete temporäre Befestigungselemente, die zum Ausrichten und Halten von Blechteilen während des Bohrens und Nietens verwendet werden. Sie werden vor der Endmontage entfernt.
4.5 Installationstechniken
Nassinstallation:
Bei der Nassinstallation wird ein korrosionshemmender Dichtstoff (z. B. Polysulfid) auf das Befestigungselement oder das Loch vor der Installation aufgetragen. Der Hauptzweck ist:
Die Nassinstallation erhöht die Ermüdungslebensdauer nicht wesentlich (dies wird durch Lochvorbereitung und Presspassung erreicht) und wirkt nicht als Schmiermittel (Drehmomentwerte werden normalerweise für die Nassinstallation angepasst).
Drehmomentsiegel (Drehmomentstreifen):
Drehmomentsiegel ist ein lackähnliches Material, das nach dem Anziehen über das Befestigungselement und die umgebende Struktur aufgetragen wird. Wenn es reißt oder gestört wird, deutet dies auf mögliches Lockern hin. Es bietet keine mechanische Sicherung.
Abschnitt 5: Dichtstoffe und Klebstoffe
5.1 Dichtstofftypen
Polysulfid-Dichtstoffe:
Polysulfid-Dichtstoffe sind die am häufigsten verwendeten Dichtstoffe für integrale Flugzeugkraftstofftanks. Wichtige Eigenschaften:
Silikondichtstoffe:
Silikondichtstoffe sind nicht kraftstoffbeständig und für Kraftstofftankanwendungen nicht geeignet. Sie werden verwendet für:
Cyanacrylat-Klebstoffe:
Cyanacrylate (Sekundenkleber) sind nicht für große Spalte oder strukturelle Anwendungen geeignet. Sie werden für kleine, nicht-strukturelle Klebearbeiten verwendet.
5.2 Dichtstoffanwendung
Kritische Überlegungen beim Auftragen von Dichtstoffen:
5.3 Klebstoffe
Kaltverklebung:
Die Kaltverklebung verwendet einen zweikomponentigen Epoxidklebstoff, der bei Raumtemperatur aushärtet. Kritische Anforderungen:- Die Oberflächenvorbereitung ist für die Haftfestigkeit unerlässlich.
Abschnitt 6: Zerstörungsfreie Prüfung (NDT)
6.1 Farbeindringprüfung
Die Farbeindringprüfung erkennt oberflächenoffene Unstetigkeiten in nicht-porösen Werkstoffen.
Lösemittelabwischbares Eindringsystem:
Für lösemittelabwischbare Eindringmittel:
Für wasserabwaschbare Eindringmittel wird Hochdruckwasser verwendet, nicht für lösemittelabwischbare Systeme.
6.2 Magnetpulverprüfung (MPI)
Die Magnetpulverprüfung erkennt Oberflächen- und oberflächennahe Risse in ferromagnetischen Werkstoffen (Stahl, Eisen).
Verfahren:
MPI ist die am besten geeignete Methode zur Erkennung von Oberflächenrissen in Stahlschweißnähten und Fahrwerkskomponenten.
6.3 Wirbelstromprüfung
Die Wirbelstromprüfung erkennt Oberflächen- und oberflächennahe Fehler in leitfähigen Werkstoffen. Sie wird häufig eingesetzt zur Erkennung von:
Wirbelstrom ist besonders nützlich zur Erkennung von Korrosion unter der Oberfläche in Aluminiumstrukturen.
6.4 Ultraschallprüfung
Die Ultraschallprüfung verwendet hochfrequente Schallwellen zur Erkennung innerer Fehler. Sie ist wirksam für:
6.5 Klopftest
Der Klopftest ist eine einfache Methode zur Erkennung von Delaminationen in Verbundstrukturen. Ein „weicher" oder „hohler" Klang weist auf einen Haftungsverlust oder eine Delamination zwischen den Schichten hin.
Abschnitt 7: Lackierung und Oberflächenbehandlung von Luftfahrzeugen
7.1 Funktion der Grundierung
Grundierungen werden auf saubere, vorbereitete Oberflächen aufgetragen, um:
Epoxidgrundierungen und chromathaltige Grundierungen sind Standard für Aluminiumlegierungsstrukturen.
7.2 Bestandteile des Lacksystems
Ein vollständiges Luftfahrzeug-Lacksystem besteht typischerweise aus:
Abschnitt 8: Rohrleitungen und Schläuche in Luftfahrzeugen
8.1 Hydraulikrohrleitungen
Hochdruck-Hydrauliksysteme (3000 psi) verwenden korrosionsbeständige Stahlrohre (CRES) für Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit.
Zusammenfassung der wichtigsten Zusammenhänge| Material | Schlüsseleigenschaft | Häufige Anwendung | Hauptproblem |
|----------|----------------------|-------------------|--------------|
| Aluminium 2024-T3 | Hohes Festigkeits-Gewichts-Verhältnis | Rumpfhäute, Rumpfstruktur | Korrosion, Ermüdung |
| Aluminium 7075-T6 | Höchste Festigkeit | Flügelholme, obere Häute | Spannungsrisskorrosion |
| Titan Ti-6Al-4V | Hohe Festigkeit, korrosionsbeständig | Verbindungselemente, Struktur | Kaltverfestigung bei der Bearbeitung |
| Stahl (legiert) | Hohe Festigkeit | Fahrwerk, Triebwerksaufhängungen | Korrosion, Wasserstoffversprödung |
| CRES | Korrosionsbeständig | Hydraulikleitungen, Verbindungselemente | Kosten, Gewicht |
| Magnesium | Leichtestes Strukturmetall | Getriebegehäuse | Korrosion, Entflammbarkeit |
| Acrylglas | Optische Klarheit | Fenster, Kabinenhauben | Spannungsrisse, Lösungsmittelangriff |
| Kohlefaserverbundwerkstoff | Hohe Steifigkeits-Gewichts-Verhältnis | Primärstruktur | Delamination, Schlagempfindlichkeit |
Typische Prüfungsschwerpunkte
Referenzen
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