Module 2: Physics
Includes 2 animated diagrams — view them live in the interactive theory reader.
Modul 2: Physik – B3-Lizenzkategorie
1. Modulübersicht
Modul 2 des EASA Part-66-Grundlagenwissenslehrplans vermittelt die grundlegenden physikalischen Prinzipien, die für die sichere Wartung, Inspektion und Freigabe von Luftfahrzeugen erforderlich sind. Für die Kategorie B3 (Leichtflugzeug) umfasst dieses Modul die Kernbereiche Materie, Mechanik, Thermodynamik, Optik und grundlegende Elektrotechnik. Ein freigabeberechtigtes Ingenieurpersonal muss diese Prinzipien täglich anwenden – von der Berechnung des Schwerpunkts für Gewicht und Schwerpunktlage bis hin zum Verständnis von Hydrauliksystemdrücken, thermischer Ausdehnung von Bauteilen und dem Verhalten von Pitot-Statik-Instrumenten.
Der Lehrplan ist in folgende Kernbereiche unterteilt, jeweils mit definierten Wissensstufen (1 = Überblick, 2 = allgemeine Kenntnisse, 3 = detaillierte Theorie):
- 2.1 Materie (Stufe 1–2): Aggregatzustände, Dichte und Materialeigenschaften.
- 2.2 Mechanik (Stufe 2–3): Statik, Dynamik, Kinematik und Kinetik.
- 2.3 Thermodynamik (Stufe 2): Temperatur, Wärme, Ausdehnung und Gasgesetze.
- 2.4 Optik (Licht) (Stufe 1): Grundprinzipien.
- 2.5 Wellenbewegung und Schall (Stufe 1–2): Grundprinzipien.
- 2.6 Strömungsmechanik (Stufe 2–3): Druck, Hydraulik und Aerodynamik.
Dieses Studienmaterial fasst das Wissen zusammen, das zur Beantwortung typischer Prüfungsfragen erforderlich ist, und – was noch wichtiger ist – zur Anwendung dieser Prinzipien in einer Wartungsumgebung.
2. Schlüsselkonzepte im Detail erklärt
2.1 Maßeinheiten und Umrechnungen
Das Internationale Einheitensystem (SI) ist der Standard für alle Luftfahrtwartungsdokumente und -berechnungen. Allerdings verwenden ältere Werkzeuge, in Amerika hergestellte Luftfahrzeuge und bestimmte Wartungshandbücher weiterhin imperiale Einheiten. Ein freigabeberechtigtes Ingenieurpersonal muss sicher in der Umrechnung zwischen den Systemen sein.
| Größe | SI-Einheit | Gängige Luftfahrtalternative | Umrechnungsfaktor |
|---|---|---|---|
| Kraft | Newton (N) | Pound-force (lbf) | 1 N ≈ 0,2248 lbf |
| Druck | Pascal (Pa) | bar, psi, mmHg | 1 bar = 100.000 Pa; 1 psi ≈ 6895 Pa |
| Drehmoment | Newtonmeter (N·m) | Pound-foot (lb-ft) | 1 N·m = 0,7376 lb-ft |
| Volumen | Kubikmeter (m³) | Liter (L), Gallone (gal) | 1 L = 0,001 m³; 1 gal ≈ 0,003785 m³ |
| Temperatur | Kelvin (K) | Celsius (°C), Fahrenheit (°F) | K = °C + 273,15 |
| Energie | Joule (J) | Wattstunde (Wh) | 1 Wh = 3600 J |
Beispiel – Drehmomentumrechnung: Eine Drehmomentvorgabe von 25 N·m entspricht 25 × 0,7376 = 18,44 lb-ft. Dies ist entscheidend, wenn in imperialen Einheiten kalibrierte Drehmomentschlüssel an Bauteilen verwendet werden, die in SI-Einheiten spezifiziert sind.
Beispiel – Volumenumrechnung: Ein Kraftstofftank mit 200 Litern hat ein Volumen von 200 × 0,001 = 0,2 m³. Diese Umrechnung wird bei Kraftstoffmassenberechnungen verwendet (Masse = Dichte × Volumen).
2.2 Materie und Materialeigenschaften
Materie existiert in drei primären Aggregatzuständen, die für die Luftfahrt relevant sind: fest, flüssig und gasförmig. Jeder Zustand hat unterschiedliche physikalische Eigenschaften, die die Flugzeugkonstruktion und -wartung beeinflussen.- Feststoffe: Haben eine bestimmte Form und ein bestimmtes Volumen. Sie weisen Elastizität (Rückkehr zur ursprünglichen Form nach Verformung) und Plastizität (bleibende Verformung) auf. Zu den wichtigsten mechanischen Eigenschaften gehören:
- Festigkeit: Fähigkeit, Belastungen ohne Versagen standzuhalten (Zug-, Druck-, Scherfestigkeit).
- Härte: Widerstand gegen Eindrücken oder Ritzung.
- Zähigkeit: Fähigkeit, Energie aufzunehmen, ohne zu brechen.
- Sprödigkeit: Neigung zum Bruch ohne nennenswerte plastische Verformung.
- Duktilität: Fähigkeit, zu Draht gezogen zu werden (z. B. Kupfer).
- Verformbarkeit: Fähigkeit, zu Blechen gehämmert oder gewalzt zu werden (z. B. Aluminium).
- Flüssigkeiten: Haben ein bestimmtes Volumen, nehmen aber die Form ihres Behälters an. Sie sind für praktische Zwecke inkompressibel, ein Prinzip, das in Hydrauliksystemen genutzt wird. Flüssigkeiten weisen Viskosität (innerer Strömungswiderstand) auf, die sich mit der Temperatur ändert.
- Gase: Haben keine bestimmte Form oder kein bestimmtes Volumen und sind kompressibel. Ihr Verhalten wird durch die Gasgesetze (Boyle, Charles und das allgemeine Gasgesetz) bestimmt.
Materialeigenschaften in der Wartung: Das Verständnis der Materialeigenschaften ist für die Auswahl korrekter Reparaturtechniken unerlässlich. Beispielsweise ist Eis ein kristalliner Feststoff mit hoher Druckfestigkeit, aber geringer Scherfestigkeit. Daher wird beim mechanischen Enteisen (Abkratzen) eine Scherkraft aufgebracht, um die Eisschicht zu brechen, anstatt zu versuchen, sie zu zerdrücken.
2.3 Statik: Kräfte, Momente und Gleichgewicht
Statik ist die Lehre von Körpern in Ruhe oder mit konstanter Geschwindigkeit. Ein Körper befindet sich im Gleichgewicht, wenn die Vektorsumme aller auf ihn wirkenden Kräfte und Momente Null ist.
- Kraft (F): Eine Vektorgröße, gemessen in Newton (N). Sie hat Betrag, Richtung und Angriffspunkt.
- Moment (oder Drehmoment, M): Die Drehwirkung einer Kraft um einen Drehpunkt. M = F × d, wobei d der senkrechte Abstand von der Wirkungslinie der Kraft zum Drehpunkt ist. Die SI-Einheit ist das Newtonmeter (N·m).
Beispiel – Drehmomentanwendung: Eine Kraft von 100 N, die senkrecht auf einen Drehmomentschlüsselgriff von 0,3 m Länge ausgeübt wird, erzeugt ein Drehmoment von 100 N × 0,3 m = 30 N·m.
Schwerpunkt (CG): Der Punkt, an dem das gesamte Gewicht eines Objekts als wirkend angesehen wird. Bei einem Flugzeug ist die Schwerpunktlage für Stabilität und Steuerbarkeit entscheidend.
Schwerpunkt- und Wägebilanzberechnung: Der Schwerpunkt wird nach dem Prinzip der Momente berechnet:
- Moment = Masse × Abstand von der Bezugslinie (kg·m).
- Gesamtmoment = Summe aller Einzelmomente.
- Schwerpunktlage = Gesamtmoment / Gesamtmasse.
Beispiel – Schwerpunktverschiebung: Ein Flugzeug mit einer Masse von 1.150 kg und einem Schwerpunkt 2,40 m hinter der Bezugslinie hat ein Moment von 1.150 × 2,40 = 2.760 kg·m. Das Laden von 50 kg Fracht an einer Station 3,10 m hinter der Bezugslinie addiert ein Moment von 50 × 3,10 = 155 kg·m. Das neue Gesamtmoment beträgt 2.915 kg·m, und die neue Gesamtmasse beträgt 1.200 kg. Der neue Schwerpunkt liegt bei 2.915 / 1.200 = 2,43 m hinter der Bezugslinie. Dies muss gegen die Schwerpunktgrenzen (vordere und hintere Grenzen) geprüft werden, um sicherzustellen, dass das Flugzeug innerhalb seiner zertifizierten Grenzen bleibt.Newtonsche Bewegungsgesetze:
- Erstes Gesetz (Trägheit): Ein Körper in Ruhe bleibt in Ruhe, und ein Körper in Bewegung bleibt in Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit, sofern keine resultierende äußere Kraft auf ihn einwirkt.
- Zweites Gesetz (Beschleunigung): Die Beschleunigung eines Körpers ist direkt proportional zur resultierenden Kraft, die auf ihn wirkt, und umgekehrt proportional zu seiner Masse. F = ma. Auch ausgedrückt als Impuls: Kraft = Impulsänderung / Zeit.
- Drittes Gesetz (Actio-Reactio): Jede Kraft erzeugt eine gleich große, entgegengesetzt gerichtete Gegenkraft.
Beispiel – Gleichgewicht: Ein Hubschrauber, der in konstanter Höhe schwebt, hat keine resultierende Kraft, die auf ihn wirkt. Der Auftrieb nach oben (Rotorschub) gleicht das Gewicht nach unten exakt aus. Ebenso befindet sich ein Hubschrauber, der mit konstanter Geschwindigkeit sinkt, im Gleichgewicht; die Kräfte nach oben (Rotorschub) sind gleich den Kräften nach unten (Gewicht).
Beispiel – Resultierende Kraft: Ein Triebwerk, das 2.000 N Schub gegen einen Gesamtwiderstand von 1.500 N erzeugt, führt zu einer resultierenden Vorwärtskraft von 500 N.
Beispiel – Aufprallkraft (Kraftstoß-Impuls): Ein Vogel mit einer Masse von 0,5 kg, der in 0,01 Sekunden von 100 m/s auf 0 m/s abgebremst wird, erfährt eine Kraft von F = (m × Δv) / t = (0,5 × 100) / 0,01 = 5.000 N. Dieses Prinzip wird verwendet, um Aufprallschäden an Bauteilen wie Verdichterschaufeln zu beurteilen.
2.4 Kinematik: Lineare und rotatorische Bewegung
Kinematik beschreibt Bewegung, ohne deren Ursachen zu berücksichtigen.
- Lineargeschwindigkeit (v): Änderungsrate der Wegstrecke, gemessen in Metern pro Sekunde (m/s).
- Winkelgeschwindigkeit (ω): Änderungsrate des Drehwinkels, gemessen in Radiant pro Sekunde (rad/s).
- Beziehung: Für einen Punkt im Abstand r vom Rotationszentrum beträgt die Lineargeschwindigkeit v = ω × r.
Beispiel – Rotorspitzengeschwindigkeit: Ein Hubschrauberrotorblatt mit 5 m Länge rotiert mit 300 U/min. Zuerst wird U/min in rad/s umgerechnet: ω = 300 × (2π / 60) = 31,42 rad/s. Dann beträgt die Spitzengeschwindigkeit v = 31,42 × 5 = 157,1 m/s. Dies kann auch berechnet werden, indem man den Umfang (2πr = 31,4 m) ermittelt und mit den Umdrehungen pro Sekunde (5 U/s) multipliziert, was 157 m/s ergibt. Die Spitzengeschwindigkeit ist ein kritischer Parameter für die Rotorleistung und das Geräuschverhalten.
Rotationskinetische Energie: Ein rotierender Körper speichert kinetische Energie, gegeben durch E = ½ I ω², wobei I das Trägheitsmoment (kg·m²) ist. Diese Energie ist proportional zum Quadrat der Winkelgeschwindigkeit.
Beispiel – Autorotationsenergie: Wenn die Rotordrehzahl von 400 U/min auf 350 U/min abfällt, beträgt das Verhältnis von End- zu Anfangsenergie (350/400)² = 0,766. Dies entspricht einer Abnahme der gespeicherten Rotationsenergie um 23,4 %. Dies ist eine entscheidende Überlegung während der Autorotation, bei der der Pilot diese gespeicherte Energie verwaltet, um die Sinkgeschwindigkeit und das Abfangen zu steuern.
2.5 Strömungsmechanik: Druck, Hydraulik und Aerodynamik
Druck (P) ist definiert als Kraft pro Flächeneinheit: P = F / A, gemessen in Pascal (Pa), wobei 1 Pa = 1 N/m². In der Luftfahrt wird Druck oft in bar (1 bar = 100.000 Pa) oder psi angegeben.
Beispiel – Hydraulikdruck: Eine Kraft von 5.000 N, die auf einen Kolben mit einer Fläche von 20 cm² (0,002 m²) ausgeübt wird, erzeugt einen Druck von 5.000 / 0,002 = 2.500.000 Pa = 25 bar.
Gesetz von Pascal: Druck, der auf eine eingeschlossene Flüssigkeit ausgeübt wird, wird unvermindert auf jeden Teil der Flüssigkeit und auf die Wände des Behälters übertragen. Dies ist das Prinzip der hydraulischen Kraftübersetzung.Beispiel – Hydraulische Kraftübersetzung: Eine Kraft von 50 N auf einen kleinen Kolben mit einer Fläche von 0,002 m² erzeugt einen Druck von 25.000 Pa. Dieser Druck wirkt auf einen größeren Kolben mit einer Fläche von 0,1 m² und erzeugt eine Kraft von 25.000 × 0,1 = 2.500 N. Dadurch kann eine kleine Eingangskraft eine schwere Last anheben.
Hydraulische Leistung: Die von einer Hydraulikpumpe abgegebene Leistung ist das Produkt aus Druck und Volumenstrom: P = p × Q, wobei p der Druck in Pascal und Q der Volumenstrom in Kubikmetern pro Sekunde (m³/s) ist.
Beispiel – Pumpenleistung: Eine Pumpe, die 3.000 psi (20.685.000 Pa) bei einem Volumenstrom von 5 Gallonen pro Minute (0,0003154 m³/s) fördert, liefert ungefähr 20.685.000 × 0,0003154 = 6.524 W ≈ 6,5 kW.
Atmosphärendruck und Pitot-Statik-Systeme: Das Pitot-Statik-System misst den dynamischen Druck für die Geschwindigkeitsanzeige. Ein Pitotrohr misst den Gesamtdruck (Pitotdruck), während statische Öffnungen den Umgebungsdruck (statischen Druck) messen. Der Fahrtmesser (ASI) zeigt die Differenz (den dynamischen Druck) an.
- Verstopftes Pitotrohr: Wenn das Pitotrohr verstopft ist, die Abflussöffnung jedoch frei ist, wirkt der eingeschlossene Druck als Referenz. Wenn das Flugzeug steigt, sinkt der statische Druck, aber der eingeschlossene Pitotdruck bleibt hoch, wodurch der Fahrtmesser zu viel anzeigt (überliest).
- Verstopfte statische Öffnung: Wenn die statische Öffnung verstopft ist, das Pitotrohr jedoch frei ist, bleibt der eingeschlossene statische Druck auf dem Wert zum Zeitpunkt der Verstopfung. Während eines Steigflugs ist der statische Druck im Instrument zu hoch, wodurch der Differenzdruck verringert wird und der Fahrtmesser zu wenig anzeigt (unterliest). Während eines Sinkflugs tritt das Gegenteil ein und der Fahrtmesser zeigt zu viel an (überliest).
Kabinen-Druckbeaufschlagung: Die Druckdifferenz zwischen der Kabine und der Außenatmosphäre ist entscheidend für die strukturelle Integrität. Beispielsweise ergibt ein Kabinendruck von 100 kPa bei einem Außendruck von 80 kPa eine Druckdifferenz von 20 kPa.
2.6 Thermodynamik: Temperatur, Wärme und Ausdehnung
Temperatur ist ein Maß für die durchschnittliche kinetische Energie der Teilchen in einem Stoff. Sie wird in Kelvin (K), Grad Celsius (°C) oder Grad Fahrenheit (°F) gemessen. Die Kelvin-Skala ist eine absolute Skala, wobei 0 K dem absoluten Nullpunkt entspricht.
Umrechnung: K = °C + 273,15.
Beispiel: Eine Umgebungstemperatur von 15°C entspricht 15 + 273,15 = 288,15 K, was auf 288 K gerundet wird. Dies ist für Triebwerksleistungsberechnungen unerlässlich, da die Leistung von Gasturbinen auf die Bedingungen der Internationalen Standardatmosphäre (ISA) bezogen wird.
Wärmeausdehnung: Die meisten Materialien dehnen sich bei Erwärmung aus und ziehen sich bei Abkühlung zusammen. Die Längenänderung (ΔL) eines Festkörpers wird wie folgt angegeben:
ΔL = α × L₀ × ΔT
Wobei:
- α = linearer Ausdehnungskoeffizient (pro Kelvin oder pro °C).
- L₀ = ursprüngliche Länge (m).
- ΔT = Temperaturänderung (K oder °C).
Beispiel – Aluminium-Heckausleger: Ein Aluminium-Heckausleger (α = 23 × 10⁻⁶ /°C) mit einer Länge von 4,5 m, der einen Temperaturanstieg von 15°C auf 45°C (ΔT = 30°C) erfährt, dehnt sich um ΔL = 23 × 10⁻⁶ × 4,5 × 30 = 0,003105 m = 3,1 mm aus. Diese Ausdehnung muss bei den Spannungen der Steuerseile und den strukturellen Verbindungen berücksichtigt werden.
Beispiel – Prozentuale Änderung: Ein Rotorblatt, das einen Temperaturabfall von 40 K erfährt, zieht sich um einen Bruchteil von ΔL/L = α × ΔT = 23 × 10⁻⁶ × 40 = 0,00092 oder 0,092 % zusammen.Ausdehnung von Flüssigkeiten: Flüssigkeiten dehnen sich ebenfalls aus, wenn sie erhitzt werden. Hydraulikflüssigkeitsbehälter müssen ausreichend Ausdehnungsraum aufweisen, um das erhöhte Volumen aufzunehmen, wenn das System heiß ist. Ein vollständig gefüllter kalter Behälter kann zu übermäßigem Druck und Systemausfall führen, wenn sich die Flüssigkeit erwärmt.
Verbrennung und Gasturbinenbetrieb: In einem Gasturbinentriebwerk ist die Abgastemperatur (EGT) ein wichtiger Leistungsindikator. Ein mageres Kraftstoff-Luft-Gemisch (Luftüberschuss) verbrennt heißer und führt zu einer höheren EGT. Ein fettes Gemisch (Kraftstoffüberschuss) hat aufgrund der latenten Verdampfungswärme des überschüssigen Kraftstoffs einen kühlenden Effekt, was zu einer niedrigeren EGT führt. Eine höhere als normale EGT bei einer gegebenen Leistungseinstellung ist ein klassisches Symptom für einen mageren Zustand.
2.7 Elektrische Grundlagen
Die grundlegende elektrische Theorie ist Teil von Modul 2. Die wichtigsten Beziehungen werden durch das Ohmsche Gesetz und die Leistungsgleichung definiert.
- Ohmsches Gesetz: V = I × R, wobei V die Spannung (Volt), I der Strom (Ampere) und R der Widerstand (Ohm) ist.
- Elektrische Leistung: P = V × I = I² × R = V² / R, gemessen in Watt (W).
Beispiel – Navigationslicht: Ein 28-V-Gleichstrom-Navigationslicht mit einem Widerstand von 4 Ohm verbraucht eine Leistung von P = V² / R = (28)² / 4 = 784 / 4 = 196 W. Alternativ beträgt der Strom I = V / R = 7 A, und die Leistung ist P = V × I = 28 × 7 = 196 W.
3. Wichtige Formeln und Verfahren
| Konzept | Formel | Einheiten | Anwendung |
|---|---|---|---|
| Kraft (2. Newtonsches Gesetz) | F = m × a | N | Berechnung von Schub, Luftwiderstand, Aufprallkräften |
| Moment / Drehmoment | M = F × d | N·m | Drehmomentschlüssel-Einstellungen, Gewicht und Schwerpunkt |
| Schwerpunkt | CG = Gesamtmoment / Gesamtmasse | m | Schwerpunktberechnungen |
| Druck | P = F / A | Pa (N/m²) | Hydrauliksysteme, Pneumatiksysteme |
| Lineargeschwindigkeit (rotatorisch) | v = ω × r | m/s | Rotorblattspitzengeschwindigkeit, Radgeschwindigkeit |
| Winkelgeschwindigkeit | ω = 2π × rpm / 60 | rad/s | Umrechnung von rpm in rad/s |
| Rotatorische kinetische Energie | E = ½ I ω² | J | Energiemanagement bei der Autorotation |
| Lineare Wärmeausdehnung | ΔL = α × L₀ × ΔT | m | Thermische Spannung, Spiele, Spannung von Steuerseilen |
| Hydraulische Leistung | P = p × Q | W | Pumpenauslegung, Systemleistung |
| Elektrische Leistung | P = V × I = V² / R | W | Berechnung elektrischer Lasten |
| Temperaturumrechnung | K = °C + 273.15 | K | Triebwerksleistungsberechnungen |
| Volumenumrechnung | 1 L = 0,001 m³ | m³ | Kraftstoffberechnungen |
| Drehmomentumrechnung | 1 N·m = 0,7376 lb-ft | lb-ft | Ältere Werkzeuge und Handbücher |
4. Häufige Beziehungen zwischen Konzepten
- Druck, Kraft und Fläche: Derselbe Druck kann je nach Fläche, auf die er wirkt, unterschiedliche Kräfte erzeugen. Dies ist die Grundlage der hydraulischen Kraftvervielfachung.
- Drehmoment, Kraft und Abstand: Dasselbe Drehmoment kann mit einer kleinen Kraft über einen langen Abstand oder mit einer großen Kraft über einen kurzen Abstand erreicht werden. Deshalb ist die Länge des Drehmomentschlüssels wichtig.
- Wärmeausdehnung und Materialeigenschaften: Der lineare Ausdehnungskoeffizient (α) ist eine Materialeigenschaft. Unterschiedliche Materialien (Aluminium, Stahl, Verbundwerkstoffe) dehnen sich unterschiedlich stark aus. Deshalb erfordern Verbindungen ungleicher Metalle besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich thermischer Spannung.
- Kinematik und Kinetik: Die Kinematik beschreibt die Bewegung (Geschwindigkeit, Beschleunigung), während die Kinetik die Bewegung mit ihren Ursachen (Kraft, Drehmoment) in Beziehung setzt. Beispielsweise bestimmt die Rotorblattspitzengeschwindigkeit (Kinematik) die Zentrifugalkraft auf das Blatt (Kinetik).
- Gasgesetze und Triebwerksleistung: Temperatur, Druck und Volumen von Gasen stehen in Wechselbeziehungd. Änderungen der Umgebungstemperatur und des Umgebungsdrucks beeinflussen die Triebwerksleistung und die Geschwindigkeitsanzeigen.
- Newtonsche Gesetze und Flug: Das erste Newtonsche Gesetz erklärt das Gleichgewicht (Schweben, konstantes Sinken), das zweite Gesetz erklärt die Beschleunigung (Start, Steigflug), und das dritte Gesetz erklärt die Schuberzeugung (Actio-Reactio).
5. Typische Prüfungsschwerpunkte
Für die EASA Part-66 Modul 2 Prüfung (Kategorie B3) sollten sich die Kandidaten auf die folgenden Bereiche konzentrieren, die häufig geprüft werden:
- Einheitenumrechnungen: Sicherheit im Umrechnen zwischen SI- und imperialen Einheiten, insbesondere für Drehmoment (N·m ↔ lb-ft), Druck (Pa ↔ bar ↔ psi) und Volumen (Liter ↔ m³).
- Schwerpunktberechnungen: In der Lage sein, den neuen Schwerpunkt nach dem Hinzufügen, Entfernen oder Verschieben von Masse zu berechnen. Das Konzept der Schwerpunkt-Hüllkurve und ihrer Grenzen verstehen.
- Drehmoment und Momente: Die Berechnung des Drehmoments (M = F × d) und seine Anwendung bei Gewicht und Schwerpunkt sowie beim Drehmomentschlüssel verstehen.
- Druck und Pascalsches Gesetz: In der Lage sein, Druck aus Kraft und Fläche zu berechnen und die hydraulische Kraftvervielfachung zu verstehen.
- Rotationsbewegung: In der Lage sein, U/min in rad/s umzurechnen und die lineare Geschwindigkeit bei einem gegebenen Radius zu berechnen (z. B. Rotorblattspitzengeschwindigkeit).
- Wärmeausdehnung: In der Lage sein, die lineare Ausdehnung (ΔL = α × L₀ × ΔT) zu berechnen und ihre praktischen Auswirkungen auf Spiele und Systemauslegung zu verstehen (z. B. Ausdehnungsraum im Hydraulikbehälter).
- Newtonsche Gesetze: Das Konzept des Gleichgewichts (resultierende Kraft = null) für Bewegungen mit konstanter Geschwindigkeit verstehen und in der Lage sein, resultierende Kräfte zu berechnen.
- Pitot-Statik-Systemfehler: Die Auswirkungen verstopfter Pitotrohre und statischer Drucköffnungen auf die Geschwindigkeitsanzeigen während Steig- und Sinkflügen verstehen.
- Rotationskinetische Energie: Den quadratischen Zusammenhang zwischen Winkelgeschwindigkeit und gespeicherter Energie (E = ½ I ω²) verstehen, insbesondere für die Autorotation.
- Elektrische Leistung: In der Lage sein, die Leistung mithilfe des Ohmschen Gesetzes und der Leistungsgleichung zu berechnen.
- Thermodynamik (EGT): Den Zusammenhang zwischen Kraftstoff/Luft-Gemisch und Abgastemperatur in Gasturbinentriebwerken verstehen.
- Materialeigenschaften: Den Unterschied zwischen Zug-, Druck- und Scherfestigkeit verstehen und wie dieser mit Wartungspraktiken (z. B. Enteisung) zusammenhängt.
Dieses Modul üben
Festigen Sie Module 2: Physics mit 27 Übungsfragen im EASA-Stil, abgestimmt auf Ihre Schwachstellen.